Persönlich
Die Resten vom Tisch des Herrn

Balz Bruder
Balz Bruder
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«Es fielen beträchtliche köstliche Resten an». (Symbolbild)

«Es fielen beträchtliche köstliche Resten an». (Symbolbild)

Getty Images

Es wäre falsch, wenn ich behaupten würde, ich hätte es mir über die Weihnachtstage einfach machen wollen. Gewiss, in der Woche vor dem Fest hatte ich ab und an Besuch zum Nachtessen. Immer unter der Bedingung, dass die Gäste das Essen selber mitbringen würden – selbstredend nicht in einem fordernden Ton verlangt, sondern sanft bittend. Denn es war ja wirklich streng, bis die Kirchenglocken an Heiligabend endlich ihr Werk taten. Und einen mit so manchem, das in diesem Jahr nicht so gut lief, klingend versöhnten.

Item, die unausgesprochene Strategie der Verpflegungseinladung zeitigte schöne Folgeeffekte. Weil sich die von mir Eingeladenen beim Mitbringen von Speis – Trank war glücklicherweise ausreichend vorhanden – nicht lumpen liessen, fielen beträchtliche köstliche Resten an, die mir die Tage danach schon fast unanständig erträglich machen.

Ganz abgesehen davon, dass es ein Geheimnis der Kulinarik geblieben ist, weshalb nicht das Originalgericht die höchsten Weihen zu Tisch verdient, sondern die aufgewärmte Variante davon. Als ob sich die Essenz des Geschmacks erst auf dem zweiten Feuer offenbarte. Zweimal zu kosten scheint ebenso lohnend, wie mit beiden Augen zu schauen.

balz.bruder@chmedia.ch