Einsiedelei
Die letzte Chance

Das Dilemma der Bürgergemeinde Solothurn, die Einsiedelei «richtig» zu besetzen.

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Wieder einmal ist die Einsiedelei unbewohnt.

Wieder einmal ist die Einsiedelei unbewohnt.

Wolfgang Wagmann

Nein, «revolutionär» sei der Vorschlag nicht. Aber für eine «konservative, traditionelle Institution wie die Bürgergemeinde Solothurn» immer noch «das Beste». Präsident Sergio Wyniger ebnet damit den Weg für das nächste Versuchskaninchen hinten in der Verenaschlucht bei Solothurn. Die letzten zwei hatten den Versuch, es dort allein auszuhalten und allen recht zu machen, bald wieder abgebrochen. Zu viel Besuch vor dem Käfig unter der Martinsfluh, zu wenig Auslauf, zu wenig Verständnis und Zuwendung. Wenigstens am Geld lag es offenbar nicht.

Trotzdem: 2'000 Franken sind ein karger Lohn für einen Hauswartjob mit Ausbaupotenzial für eine bis zwei Seelsorge-Stellen zusätzlich. Aber nun versucht es die Bürgergemeinde nochmals. Vielleicht hat man zuletzt nur falsch gewählt, wie schon in den Achtzigerjahren, als ein gewisser Bruder Roman – von echten oder vermeintlichen Skandalen umwittert – schon bald wieder die Klause räumen musste.

Der Job in der Schlucht wäre ein spannender. Die Frage ist nur, was man(n?) daraus macht. Oder aus sich machen lässt. Das Spannungsfeld zwischen Besucherscharen und selbst gewünschter, ja auferlegter Isolation ist riesig.

Wer sich nicht abgrenzen kann, wird vereinnahmt, zuletzt wohl überfordert. Wer sich nur abschottet, wie ein Bruder Johannes über Jahre, erfüllt seinen Auftrag nicht. Der da ist, einem historisch gewachsenen, von einer speziellen Stimmung durchtränkten Kraftort eine Seele zu geben. Leihweise. Nicht zu jeder Zeit. Aber oft. Solch eine Person zu finden, ist Glücksache. Sie dann zu halten, Herausforderung. Die Bürgergemeinde Solothurn versucht es erneut. Es ist ihre vielleicht letzte Chance.