Persönlich
Die Fasnacht jenseits des Programms

Die Solothurner Fasnacht ist eine Institution, die auch von Lernwerkstätten und Projekten lebt.

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Dekoration im Märlischloss in der Krone»

Dekoration im Märlischloss in der Krone»

Andreas Kaufmann

Man kann sie lieben oder (in weitaus weniger Fällen) hassen – aber spurlos geht die Solothurner Fasnacht an niemandem vorbei. Auch nicht an jenen, für die sie Grund war, während dieser Tage aus der Stadt zu flüchten. Dass die Fasnacht eine Institution ist, ist mehr als nur eine Marketingfloskel.

Sie ist deshalb eine Institution, weil sie wie eine funktioniert: Es gibt Ämtli und Rollen, Regeln und Normen, Traditionen und Prozesse, die «gäng wie gäng» gleich ablaufen, unabhängig von prägenden Narrenpersönlichkeiten. Das ist ihr grosser Vorteil gegenüber den Dorffasnachten, die oft am Kreativitätspotenzial Einzelner stehen oder fallen, sich neu erfinden müssen oder untergehen.

Diese Eigenart «Honolulus» ist aber auch eine Herausforderung für jene, die sie gestalten. Nämlich: neben der Struktur, die sie zusammenhält, Spass und Mut für Neues zuzulassen. Dies beweisen Gruppen, wie jene Männerrunde, die am ereignisarmen Abend des Schmutzigen Donnerstags Jahr für Jahr spontane Überraschungsaktionen in der Altstadt durchführen. Oder die «Hudibras Chutze», die mit der Konfettischlacht eine alte Tradition wiederbeleben wollen.

Oder der Verein, der die «Krone» zum «Märlischloss» umfunktionierte. Schon die Betriebswirtschaft kennt Projekte als Fühler, als Sondierungen und als lernende Abteilungen in einer sonst starren Institution, um innovative Wege zu erkunden. Auch in der Institution «Honolulu» muss es möglich sein, ausserhalb fixer Strukturen närrisch zu werden. Die kunterbunte anar(r)chische Gassenfasnacht am Samstag ist jeweils der beste Beweis dafür.

@ andreas.kaufmann@azmedien.ch