Zuchwil
Der Widi-Geist wird weiterleben

Eine Investorin braucht den Fussballplatz für ihre Grossüberbauung.

Christof Ramser
Christof Ramser
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Ein modernes Quartier mit grossstädtischen Strukturen könnte in Zuchwil entstehen.

Ein modernes Quartier mit grossstädtischen Strukturen könnte in Zuchwil entstehen.

Visualisierung KCAP

Auf einem lauschigen Flecken am Rand des Zuchwiler Widi-Wäldchens stossen Gegensätze aufeinander. Feierabendkicker stehen einem Immobilienriesen gegenüber, flankiert von einem internationalen Architekturbüro, das in Zürich, Rotterdam und Schanghai baut. Sie planen ein modernes Quartier mit grossstädtischen Strukturen für über 1000 Zuzüger. Diese sollen endlich die erhofften Steuereinnahmen für das klamme Industriedorf bringen.

Den Fussballern ist das zuwider. Jahrzehntelang waren sie unter sich, entwickelten eine eigene Kultur. Die Widi ist ihr Refugium. Jetzt, da diese Zuflucht bedroht ist, merken sie, was auf dem Spiel steht. Einmal bereits haben sie der Gross-Investorin die Stirn geboten und die Gemeinde, die ihnen das Land zur Verfügung stellt, brüskiert. Von wegen Veni, Widi, Vici. Die Beweggründe sind so simpel wie gerechtfertigt: Es ist unser Paradies. Wir lassen uns nicht vertreiben.

Im zweiten Anlauf soll es mit dem Verkauf nun klappen. Die Pläne wurden überarbeitet, aus der Widi soll ein öffentlicher Park werden. Aus Gegnern wurden Befürworter. Die FC-Basis wird erneut für die Gemeindeversammlung mobilisieren, um ihre Interessen über jene der Gemeinde zu stellen. Ein erneuter Coup ist ihr nicht gewiss. Der Fanclub Widi hat 120 Mitglieder, Zuchwil rund 4500 Stimmberechtigte. Sie alle haben es in der Hand, dem neuen Quartier zum Durchbruch zu verhelfen und den FC ins Sportzentrum zu verweisen. Ob die Fussballer dort eine neue Heimat erhalten, liegt an ihnen selber. Wenn sie sich weiterhin engagieren, lebt der Widi-Geist auch ennet dem Wäldchen weiter.

christof.ramser@azmedien.ch