Persönlich
Der Wettstreit

Balz Bruder
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Der Coronabeauftragte des Bundes, Daniel Koch, verliess sich eine Weile lang mehr auf sein Bauchgefühl als auf die evidenzbasierten Erkenntnisse der Wissenschafterinnen und Wissenschafter. (Archivbild)

Der Coronabeauftragte des Bundes, Daniel Koch, verliess sich eine Weile lang mehr auf sein Bauchgefühl als auf die evidenzbasierten Erkenntnisse der Wissenschafterinnen und Wissenschafter. (Archivbild)

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Was kommt wann zuerst? Die Frage ist von Bauchgefühl und Evidenz. Ein schwieriges Fach. Vor allem, wenn es mitunter darum geht, Menschenleben zu retten oder zumindest zu schützen. Zum Beispiel: Dass sich der eben in den Ruhestand beförderte Coronabeauftragte des Bundes eine Weile lang mehr auf sein Bauchgefühl als auf die evidenzbasierten Erkenntnisse der Tag und Nacht um Erkenntnis ringenden Wissenschafterinnen und Wissenschafter verliess, war vielleicht nicht gar so vorbildhaft.

In den Sinn kam mir der Wettstreit zwischen den konkurrierenden Prinzipien, als mir am Wochenende ein Interview mit der CEO der Hägendorfer Qnamic AG in die Hände fiel, in dem die promovierte Chemikerin diese Aussage prägte: «Intuition ist wichtig, da sie auf Erfahrungen im Unterbewusstsein aufbaut und dadurch den Überlegungsprozess verkürzen kann. Allein darauf zu bauen, ist aber gefährlich. Ich versuche daher immer, das Bauchgefühl logisch zu validieren, bevor ich handle.»

Nun, wer die steile Karriere von Claudia Schmid verfolgt hat, muss neidlos anerkennen: Da muss etwas dran sein. Trotzdem wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn der Rest der Gilde zuweilen seine Kopfentscheide auch gefühlsmässig überprüfte. Vielleicht hat ja Pfingsten auch hier ein Wunder getan.
balz.bruder@chmedia.ch