Persönlich
Der Poser in mir

Urs Moser
Urs Moser
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Die Poser lassen bei jeder Gelegenheit die überlauten Auspuffanlagen röhren.

Die Poser lassen bei jeder Gelegenheit die überlauten Auspuffanlagen röhren.

pixabay / Nerivill

Ein spezieller Menschenschlag hat es in letzter Zeit geschafft, sich auf der Beliebtheitsskala in etwa auf dem Niveau des Coronavirus einzureihen. Gemeint sind die sogenannten Autoposer. Jene Vollidioten (ich glaube, man darf sie ungestraft so nennen), die bei jeder Gelegenheit die überlauten Auspuffanlagen ihrer aufgemotzten Boliden röhren und die Reifen quietschen lassen, dass an Schlaf nicht zu denken ist.

Die Lärmbelästigung ist das eine. Nun ist mir aber aufgefallen, dass es noch einen ganz anderen Grund gibt, warum die Poser so nerven: Sie sind besonders auch jenen Liebhabern schöner, schneller und damit teurer Autos ein Dorn im Auge, die sich zu benehmen wissen. Die fühlen sich jetzt mit den Strassenrowdys in einen Topf geworfen und schämen sich schon richtig, sich noch mit ihren Karossen blicken zu lassen.

Ich muss sagen, mir macht dies die verhassten Autoposer schon fast wieder ein kleines bisschen sympathisch. Denn ganz ehrlich: Ich hätte ja eigentlich auch ganz gern einen schnittigen Audi, BMW oder Mercedes. Dank den Autoposern muss ich nun niemandem gegenüber mehr vertuschen, dass ich mir das bloss nicht leisten kann. Nein, dass ich einen schnöden Škoda fahre, geht jetzt als entschlossenes Statement wider den Sittenzerfall auf unseren Strassen durch.

urs.moser@chmedia.ch