Persönlich
Der (fehlende) Neid der Flachländer

Balz Bruder
Balz Bruder
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«Gefragt werden wir, die wir uns brav im Flachland eingerichtet haben, um nicht in Versuchung zu kommen, die Skis anzuschnallen und das Virus in luftigste Höhen zu tragen, nicht.» (Symbolbild)

«Gefragt werden wir, die wir uns brav im Flachland eingerichtet haben, um nicht in Versuchung zu kommen, die Skis anzuschnallen und das Virus in luftigste Höhen zu tragen, nicht.» (Symbolbild)

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Es hat schon fast etwas Manisches. Wer sich in diesen Tagen in Bergeshöhen befindet, umgeben von Sonne, Schnee und Kälte, sieht sich gedrängt, die Mitwelt an diesem Glück, ob verdient oder nicht, teilhaben zu lassen. Gefragt werden wir, die wir uns brav im Flachland eingerichtet haben, um nicht in Versuchung zu kommen, die Skis anzuschnallen und das Virus in luftigste Höhen zu tragen, nicht. Wir müssen einfach akzeptieren, dass es Menschen gibt, die es besser haben. Scheinbar jedenfalls.

Denn was gibt es in diesen Tagen zwischen den Jahren Schöneres, als in der Stille des Morgens durch den Wald zu streifen. Hier ein Eichhörnchen mit dem Blick zu erhaschen, dort einem Specht zu lauschen. Und zu beobachten, wie sich die Sonnenstrahlen ihren Weg durch das Dickicht der Bäume bahnt. Da können mir die glitzernden Pisten glatt gestohlen bleiben. Und die unter prekären Bedingungen produzierenden Bergrestaurants schon gar.

Was zu beweisen war: Der Neid der Besitzlosen funktioniert auch am Ende eines Jahres, das fast, aber nur fast zum Vergessen war, unverändert. Ebenso wie die selbstgerechte, aber wohltuende Rechtfertigung dafür, dass der Spatz in der Hand satter macht als die Taube auf dem Dach.

balz.bruder@chmedia.ch

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