Persönlich
Das Skilager in Eischoll war toll

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
Drucken
Teilen
Das Skilager ist für viele Kinder ein Highlight. (Archiv)

Das Skilager ist für viele Kinder ein Highlight. (Archiv)

Michael Küng

Es war in der 3. Klasse. Unangenehmes stand an. Das Skilager. Im Walliser Dörfli Eischoll, 1964 noch ohne Skilift. Für mich kein Thema. Nicht weil der Skilift fehlte. Sondern das Geld. Wir kriegten einen Zettel in die Hand, für die Eltern. Sie sahen ihn nie. Denn darauf stand auch, wie hoch der Elternbeitrag ans Lager sei. Wir waren zu zehnt, ich der Älteste. Erstens hatten wir das Geld nicht, und zweitens wäre nachher jedes meiner Geschwister gekommen: «Ich will auch ins Skilager.»

Nun, ich log. Nein, ich würde nicht mitkommen. Unser Lehrer war clever. Und kontaktierte meine Eltern direkt. Nein, sie hätten gar nichts gewusst vom Skilager. Es gab einen Billig-Spezialtarif für uns. Eischoll war toll, auch ohne Skilift. Und für meine Geschwister später auch. Aber beinahe hätte ich es geschafft, dass alle daheimgeblieben wären. Doch ohne rote Ohren lügen, das konnte ich damals einfach nicht.

Nun, heute wäre dies alles nicht mehr möglich. Die Stadt Solothurn hat – eine Pionierrolle in Sparzeiten wie diesen – die Elternbeiträge an Schullager abgeschafft. Niemand muss lügen oder daheimbleiben, weil sich Eltern vielleicht schämen, den Sozialtarif zu beanspruchen. Solothurn kann sich das auch leisten, mit einem Vermögen von 81 Mio. Franken.

Da sind die 50'000 Franken Elternbeiträge zu verkraften, besser als eine weitere Steuersenkung. Diese wurde zwar für die Galerie einmal mehr mit den bekannten Fronten durchgekaut, aber mit dem Daumen nach unten von Stadtpräsident Kurt Fluri abgelehnt. Solothurn die grosszügige, glückliche Stadt? Da sollte doch zusätzlich ein «Sozialtarif» für alle drinliegen – man sieht sich am 18. Dezember im Landhaussaal.

wolfgang.wagmann@chmedia.ch