Persönlich
Das Los des Bücherräubers

Balz Bruder
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Eine Büchersammlung ist etwas Persönliches. (Archiv)

Eine Büchersammlung ist etwas Persönliches. (Archiv)

Sandra D. Sutter

Solches Glück ist selten. Und nicht hoch genug einzuschätzen. Das sage ich ganz ohne jeden Hintergedanken. Nein, es ist einfach wahr. Was für ein wunderbarer Moment, einen Raum zu betreten, dessen Wände gleichsam mit Büchern tapeziert sind. Und die Aufgabe allein darin besteht, sich das, was man sich lange wünschte, aber nicht bekam, einfach so aus dem Gestell zu nehmen. Auf dass der Nachlass an Gedrucktem in Hände komme, die einen Sinn dafür haben.

So geschehen diese Woche. Verbunden mit dem etwas beengenden Gefühl, den vormaligen Besitzern beim Stöbern und Schmökern näherzukommen, als mir lieb war. Weil der Bücherbestand etwas vom Persönlichsten ist, das uns umgibt. Und Fährten zu Geschichten legt, falsche und richtige, die ganze Lebensbilder erstehen lassen.

Nun, am Ende trug ich, fast ein wenig beschämt ob des Eingriffs in das literarische Konvolut eines Ehepaars, zwei Papiersäcke nach Hause. Zu profan, gewiss. Doch es musste sein. Und ich freue mich über das Gerettete. Wenngleich mich die Gewissheit über die Zerstörung einer Ordnung, die es nie mehr geben wird, ebenso bedrückt wie die Verlorenheit dessen, was ich zurückgelassen habe. Das ist das Los des Bücherräubers.

balz.bruder@chmedia.ch