Stadtbummel Solothurn
Das Leben ohne Solothurnersee

Hat er wirklich existiert? Oder gehört er ins Reich der Fantasie? Heute streiten sich die Forscher darüber, ob es den auch ohne Ungeheuer sagenumwobenen Solothurnersee tatsächlich gegeben hat.

Andreas Kaufmann
Andreas Kaufmann
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Der Bielersee ist unser nächster See.

Der Bielersee ist unser nächster See.

Hans Ulrich Mülchi

Vor 17'000 Jahren soll er entstanden sein und rund 4000 Jahre lang das Ufer des Jurasüdfusses umspült haben. Noch weiter weg als Yverdon lag sein südöstlicher Zipfel.

Auf einer Bootsfahrt der Linie «Charger pour Soleure» ab Waadtland hätte man die Inselarchipele von Biel und Erlach gesichtet, wäre anschliessend über Grenchen (unter Wasser) drübergefahren (was man während der Fasnacht ohnehin tut) und hätte dann am Seehafen von Solothurn den Anker gesetzt. Mit einem Chöpfler hätte man von der St.-Ursenkathedrale ins kühle Nass eintauchen können. Doch es kam anders: Der Solothurnersee verschwand – und zurück blieben nur das Dreiseenland und die Aare.

Als wäre dies nicht genug – machen wir doch mal den Sprung ins dritte Jahrtausend nach Christus: Während sich die Visionäre hinter der Wasserstadt nach entsprechendem Rechtsgutachten noch nicht geschlagen geben, sagen Stadt und Kanton unverändert «Njet» zu Solothurns Klein-Venedig. Dass wir nämlich jetzt, kurz nach der Sommersonnenwende, von einem kurzen Probiererli Sommer profitieren können, veranlasst wieder, gefühlte Sekundenbruchteile nach Thermometeranstieg nach Erfrischung zu lechzen, beispielsweise in einer Wasserstadt.

Dabei gibts keinen Grund, deswegen Trübsal zu blasen: Im aktuellen, sehr bescheiden angesetzten Warmfenster gibt es auch ohne Solothurnersee und Wasserstadt genügend solcher Gelegenheiten ab- oder einzutauchen. Wieder werden unverhofft Bikini und Badehose ausgelüftet und ausgeführt. Und das Fan-Libli im Public-Viewing-Fieber bei der Reithalle oder auf dem Dornacherplatz darf gerne mal einen Riss oder einen Fetzen ab haben, ohne das man gleich ins Schlottern kommt. Sobald dann aber die allgemeine Stimmung nach dem unablässigem «Bisiwätter» genügend sommersonnengetrocknet wurde, wünscht man sich die Erlösung von der Hitze zurück – oder zumindest die Gnade eines Hochleistungsventilators.

Wer da nicht cool bleibt, könnte es wieder werden, und dies, auch ohne an der Schlange am Glacestand anzustehen: Schon bald hält Väterchen Nasskalt von neuem Einzug. Und dies lässt hadern, wegen welcher Wetterlage man jetzt am liebsten fluchen mag. Dem Märetfescht gilt auf jeden Fall der fromme Wunsch nach Sonne. Und sonst haben wir stattdessen halt die «Wasserstadt» mittendrin statt nur am Rand. Und eher «Schiff»-
tage als Schafskälte.