Persönlich
Das Kreuz mit dem Thuja-Hag

Balz Bruder
Balz Bruder
Drucken
Teilen
Eine Thuja-Hecken schön zu schneiden, muss gelernt sein. (Archiv)

Eine Thuja-Hecken schön zu schneiden, muss gelernt sein. (Archiv)

keystone

Vor Zeiten war er das Nonplusultra für Eigenheimbesitzer, blickdichte Abgrenzung zum Nachbargrundstück herzustellen. Kilometer sonder Zahl erstreckten sich von ihm in den Einfamilienhausquartieren. Und mindestens zweimal pro Jahr stiegen die Hüslianer auf ihre Bockleitern, um mit einer elektrischen Pflanzenschere zu stutzen, was die Grenze des Wohlanständigen überschritt. Auf dass nicht der Verdachte aufkomme, die wuchernde Natur ums Haus lasse Rückschlüsse auf das Innere zu.

Es ist zu befürchten, dass diese Ära am Vergehen ist. Seltener ist der Blickschutz aus Koniferen geworden. Die Naturgärtner machen dem satten dichten Grün ebenso den Garaus wie das Klima. Zu trocken ist es und macht den Pilzen beim Befall des heimisch gewordenen Fremdlings leichtes Spiel.

Fast etwas wehmütig wurde ich deshalb am Samstag beim Gang durch ein Quartier, wo ein Hauseigentümer wie weiland in den 80er-Jahren auf der Leiter stand, mehr schlecht als recht schräg zu senk- und waagrecht machen suchte – und das Werk zusehends zu einem unvollendbaren verschlimmbesserte. Das hatte etwas Rührendes ebenso wie Beruhigendes. Lang lebe der Thuja-Hag gegen alle Vorurteile und Pilze.

balz.bruder@chmedia.ch

Aktuelle Nachrichten