Selzach
Das Aareinseli als Einzelfall

Kommentar zur umstrittenen Erweiterung auf dem Aareinseli.

Urs Byland
Urs Byland
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Einzigartig: Die von Familie Antener bewohnte Aareinsel in Selzach, rund 5 km aareaufwärts von Solothurn

Einzigartig: Die von Familie Antener bewohnte Aareinsel in Selzach, rund 5 km aareaufwärts von Solothurn

Oliver Menge

Diese Zeitung hatte im Sommer einen runden Tisch empfohlen. Naturverbände, Gemeinden und Aareinseli-Bewohner sollten gemeinsam eine Lösung für die umstrittene Erweiterung auf dem Aareinseli finden.

Alt-Regierungsrat Christian Wanner hatte die Empfehlung aufgenommen, konnte aber nichts erreichen. Das Bau- und Justizdepartement hat nun die Einsprecher auflaufen lassen. Alles, was die Familie für die Umstrukturierung ihres Landwirtschaftsbetriebes und für den Generationenwechsel plant, wird gutgeheissen.

Letzten Endes wird damit das Aareinseli künftig nicht nur eine, sondern möglicherweise – mit dem Übergang auf Sohn Adrian und Tochter Kathrin – zwei Familien ernähren.

Damit wird das Eiland intensiver genutzt als bisher. Stellt sich die Frage: Schadet diese intensivere Nutzung dem Naturschutzreservat Aareinseli, das zudem in der Schutzzone Witi liegt?

Die Meinungen gehen auseinander. Selzach und Naturschutzverbände befürchten eine Übernutzung. Der Kanton findet, dass die Bauvorhaben auch im Schutzgebiet erlaubt sind und dieses nicht gefährden. Im Gegenteil sogar: Dass sie die Koexistenz von Natur und Landwirtschaft ermöglichen.

Der Kanton beruft sich bei seiner Einschätzung auf den singulären Charakter der Insel, auf der diese Koexistenz seit Menschengedenken praktiziert wird. Die Erweiterung des landwirtschaftlichen Betriebs ist massvoll.

Eine Obstplantage, biologisch betrieben, als Ergänzung zur Mutterkuhhaltung
erscheint naturnah. Dennoch müsste der geforderte Gewässerabstand eingehalten werden. Die Erweiterung des Nebenbetriebes Gastronomie ist kritisch. Hier müssen der nächsten Antener-Generation klare und enge Grenzen gesetzt werden. Ob diese damit auf Jahrzehnte leben will, ist deren Entscheid.