Wirtschaftslage
Dank Qualität ist der Preis nicht derart heiss

Wochenkommentar zur Wirtschaftslage im Kanton Solothurn.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
Drucken
Teilen
Der starke Franken macht zu schaffen.

Der starke Franken macht zu schaffen.

Keystone

Neben der Hoffnung auf körperliche Unversehrtheit nimmt die Sorge um die wirtschaftliche Existenz bei den meisten Menschen eine zentrale Rolle in ihrem Denken und Handeln ein. Deshalb stehen ökonomische Rück- und Ausblicke zum Jahreswechsel hoch im Kurs. Auffallend dabei: Die Summe aller Ängste scheint gleichzubleiben – brummt die Wirtschaft, verlagern sie sich rasch auf andere Schauplätze. Das gelingt gegenwärtig allerdings nicht so recht. Zwar brummt es hierzulande im internationalen Vergleich durchaus, doch gleichzeitig ist auch in helvetischen Landen ein Poltern nicht mehr zu überhören. Der starke Franken geht um.

In der Mittwochausgabe mussten wir melden, dass ein renommiertes Unternehmen die Niederlassung in Trimbach schliesst und 52 Arbeitsplätze verloren gehen. Am Donnerstag dieser Woche lautete die Schlagzeile «Mehr Firmenpleiten im Kanton Solothurn». Die aktuellsten Zahlen zeigen es: Die Konkursämter hatten im vergangenen Jahr wesentlich mehr zu tun als auch schon. Gestern nun wurden die Arbeitslosenzahlen bekannt, die ebenfalls wenig Grund zur Freude bereiten. Derzeit sind im Kanton 4600 Menschen als arbeitslos registriert, das ist ein halbes Tausend mehr als noch im Vormonat. Mit einer Quote von 5 Prozent liefert Grenchen den Ausreisser nach oben. Die Zahl sämtlicher Stellensuchenden im Kanton Solothurn liegt bei 7000.

Grund zur Depression? In der Summe verdüstern diese Meldungen das Bild, keine Frage. Doch bei genauerer Betrachtung ist die Situation alles andere als Rabenschwarz. Bei den Solothurner Konkursen zeigt sich, dass die Quote in den Vorjahren recht tief lag und die jüngsten Insolvenzen nicht zuletzt Einzelfirmen betreffen (schnell mal ein Geschäft eröffnen und wenn es nicht hinhaut, einfach wieder schliessen). Bei den Arbeitslosenzahlen gilt es zu berücksichtigen, dass die Werte Ende Jahr saisonal generell höher liegen und Solothurn mit 3,2 Prozent nach wie vor unter dem schweizerischen Schnitt von 3,7 Prozent liegt. Die Differenz des Anstiegs ist übrigens gleichgeblieben.

Also alles paletti?

Sagen wir es einmal so: Wir müssen auf der Hut sein. Wobei klar ist, dass der Handlungsspielraum innerhalb der Kantonsgrenzen alles andere als grenzenlos ist. Verwerfungen der Weltwirtschaft treiben ihre Ausläufer gnadenlos um den Erdball. So sind die Erschütterungen diese Woche an der chinesischen Börse nicht spurlos an uns vorbeigegangen.

Abgesehen von allen nicht beeinflussbaren Abhängigkeiten bleibt das Fazit: Der Kanton Solothurn spielt seine Karten geschickt. Ein beachtlicher Strukturwandel hat bereits stattgefunden und auch die beiden Schwergewichte Maschinen-, respektive Präzisionsindustrie behaupten sich gegen starke Konkurrenten auf höchst anspruchsvollen Märkten. Das ist alles andere als selbstverständlich: Am 15. Januar wird es ein Jahr her sein, dass sich die Nationalbank über Nacht von der Schwächung des Frankens verabschiedet hat. Horrorszenarien wurden danach heraufbeschworen.

Zweifellos haben Anforderungen an die Flexibilität und Kostendruck nochmals markant zugenommen, aber die Exportwirtschaft hat einmal mehr bewiesen «was mich nicht umbringt, macht mich stark». Mit dabei viele, in der Öffentlichkeit oft wenig bekannte Solothurner Unternehmen, die sich im Haifischbecken Weltmarkt bravourös zu behaupten wissen. Eine Erklärung dafür von Branchenkennern: Exportiert werden hoch spezialisierte Qualitätsprodukte, auf die Kunden selbst bei negativen Währungsschwankungen nicht verzichten können oder wollen. Mit ein Grund unser duales Bildungssystem weiter zu stärken sowie die Aus- und Weiterbildung zu pflegen das sind wesentlichen Trümpfe, wenn es darum geht, im internationalen Wettbewerb die Nase vorne dabei zu haben.

Das Positive sehen

Wir alle würden gerne Gewissheit haben, wie sich die Weltwirtschaft und damit auch unser unmittelbares Umfeld 2016 entwickeln werden. An Indikatoren fehlt es nicht, ebenso wenig an Auguren, die gewagte Prognosen zum Besten geben, die dann von der Realität widerlegt oder überrollt werden. Nicht selten handelt es sich um Kaffeesatzlesen oder Blicke in die Kristallkugel. Die Gemütslage von jeder Zuckung abhängig zu machen, ist wenig empfehlenswert.

Halten wir uns an die Fakten: Der starke Franken wird etlichen Firma das Leben weiterhin schwer machen, doch die Solothurner Wirtschaft ist resistenter als vorausgesagt. Und wenn es am Jurasüdfuss wieder einmal einen Dämpfer wegzustecken gilt, sollte das Gesamtbild mit seinen positiven Entwicklungen nicht zu sehr darunter leiden. Die gibt es: Das Bundesgericht gibt dem Biotechunternehmen Behring grünes Licht im angrenzenden Lengnau. Biogen ist in Luterbach auf guten Wegen und Ypsomed geht nicht auf ausländische Avancen ein, sondern baut stattdessen in Solothurn aus. 2016 soll kommen.

theodor.eckert@azmedien.ch

Aktuelle Nachrichten