Kommentar
Bitte nicht, DJ Bobo

Bald ist der Sonderabfall (475'000 Tonnen) in Kölliken abgebaut. Dann soll DJ in der Halle auftreten.

Urs Byland
Urs Byland
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DJ Bobo. Key

DJ Bobo. Key

KEYSTONE

Wie die Solothurner mit Chris von Rohr haben auch die Aargauer mit Peter René Baumann einen musikalischen Botschafter. Er nennt sich DJ Bobo und liefert immer wieder Stoff für einen satirischen Störfall.

Kopftuchträger und Blocher-Fan Chris von Rohr lässt grüssen. Aus irgendeinem Grund verlor ich mich mit meinem Kollegen in grenzenlosem Spass über DJ Bobo. Am Ende lachten wir über die Idee, dass der Kölliker DJ Bobo in der Halle der Sondermülldeponie, ebenfalls in Kölliken, ein Konzert geben würde – mit Gasmaske. Das passt zusammen, so unser satirisch gemeinter Gedanke. Keine sieben Tage später lese ich in der Zeitung, man plane zum Abschluss der Arbeiten in der grössten Halle der Schweiz ein Konzert mit – DJ Bobo. Mir blieb das Lachen im Halse stecken.

Die Lagerung von Chemieabfällen in der Sondermülldeponie Kölliken ist eine der grössten Umweltsünden der Schweiz. Für die Sanierung der Deponie, die zu einem Fischsterben im Dorfbach führte, rechnet man bis Ende 2020 mit Kosten von 890 Mio. Franken, grösstenteils zu zahlen von den Steuerzahlern. Die Gemeinde verordnete 1985 die Schliessung der Anlage, nachdem die Zustände für die Anwohner der Deponie unhaltbar wurden. Sie klagten über Kopfschmerzen. Was dort unten geschah, war des Teufels, berichtete mir meine Tante, die gleich oberhalb der Deponie wohnte. Ein Blick in ihr Gesicht verriet mir, dass sie nahe der Wahrheit lag.

Ein Konzert in dieser Halle wäre ein Hohn gegenüber allen, die Gestank und giftigem Staub ausgesetzt waren. DJ Bobo würde zum Feigenblatt einer Mega-Umweltsünde. Deshalb DJ Bobo, leg die Gasmaske zur Seite, lach über den Witz und lass es bleiben.

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