Winkelunterführung
Bitte kein zweites Olten SüdWest!

Eine Analyse zur derzeitigen Situation in Sachen Winkelunterführung.

Fabian Muster
Fabian Muster
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Thumb for 'Winkelunterführung Olten'

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Gestern hat die Oltner Stadtkanzlei eine Mitteilung zur Winkelunterführung publiziert. Unter dem Titel «Im Winkel prallen viele Interessen aufeinander» wird auf zwei A4-Seiten zusammengefasst, was jüngst in Sachen Winkelunterführung aus Sicht des Stadtrats bisher alles vergeblich unternommen worden ist.

Eine neue Nachricht, was normalerweise der Hauptgrund für eine Medienmitteilung ist, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Es sieht zunächst eher danach aus, dass sich die Stadt rechtfertigen müsste, dass die wichtigste Fuss- und Veloverbindung des zweigeteilten Olten nicht vergessen gegangen sei und dem Stadtrat vor den Wahlen nicht Untätigkeit vorgeworfen werden könne.

Wie diese Zeitung nun aus Insiderkreisen erfahren hat, ist der eigentliche Grund für die Mitteilung folgender: Dem Stadtrat wurde in vertraulichen Gesprächen klar gemacht, dass die komplette Winkelüberbauung oder nur die Winkelunterführung unterhalb des Areals «Im Winkel», wieder zum Verkauf steht. Der Besitzer Erik Rischmann von der SMP Invest AG hat der Oltner Regierung über einen Mittelsmann die jeweilige Preisvorstellung zukommen lassen, weil ein direkter Kontakt mit dem Stadtrat nicht mehr existiert.

Ein Kauf der gesamten Überbauung mit Baujahr 1985 ist wohl aus heutiger Warte finanziell nicht möglich, obwohl diese Lösung immer wieder als beste herausgestrichen wurde. Der Stadtrat rechnet mit Kosten in «zweistelliger Millionenhöhe». Die von der Stadt vor vier Jahren selbst in Auftrag gegebene Verkehrswertberechnung der Überbauung kam auf 15,25 Millionen Franken. Dazu kämen Massnahmen zur Sanierung und Aufwertung der Liegenschaft respektive der Unterführung, die ebenfalls mehrere Millionen betragen dürften. Für die Stadt also ein Fass ohne Boden.

Nur ein Kauf des betreffenden Teils der Winkelunterführung, welche im Besitz von Rischmann ist, könnte derzeit eine finanziell gangbare Alternative sein. Wie diese Zeitung aus verlässlicher Quelle weiss, wurde dem Stadtrat auch der Preis für diese Alternative genannt. Bereits bei den Abklärungen zur Volksinitiative «Stadtseiten verbinden» hätte die Stadt damals diesen Teil der Unterführung für rund zwei Millionen Franken kaufen können. Der Eigentümer hat laut dem Insider heute eine höhere Preisvorstellung – sie soll sich im mittleren einstelligen Millionenbereich bewegen –, zusammen mit der Aufwertung zu einer für Velos durchgängig befahrbaren Unterführung sollen die Kosten bis zu 12 Millionen betragen. Dies berechnet auf Basis der Variante 1, wie sie die Studie «Aufwertung Winkelunterführung» 2012 genannt hat. Von der Stadt heisst es in der Mitteilung, dass ein Kauf nur der Winkelunterführung rechtlich nicht möglich sei.

Soll das wirklich das letzte Wort gewesen sein, auch wenn laut Stadtpräsident Martin Wey derzeit kein konkretes Angebot vorliegt? Müsste sich der Stadtrat nun nicht darum bemühen, mit Rischmann wieder ins Gespräch zu kommen statt zuzuwarten? Ist eine mit dem Velo durchgängig befahrbare Winkelunterführung – was allen Oltnern zugutekäme – nicht einer ähnlich teuren Stadtteilverbindung Hammer vorzuziehen? Diese Fragen müssten im Parlament und öffentlich diskutiert werden – nicht nur im Stadtrat unter strenger Geheimhaltung. Einen zweiten Fall Olten SüdWest,als der damalige Stadtrat es verpasste, das Areal zu kaufen, darf es nicht mehr geben!

fabian.muster@azmedien.ch