Bistum Basel
Bischof Felix Gmürs Schritte ins Offene

Felix Gmür, Bischof von Basel, plädiert für einen offenen Umgang mit umstrittenen Themen. Darin unterscheidet er sich wohltuend von seinem Churer Amtskollegen Vitus Huonder. Analyse zur offenen Haltung des Bischofs von Basel gegenüber Veränderungen.

Urs Mathys
Urs Mathys
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Bischof Felix Gmür (Archiv)

Bischof Felix Gmür (Archiv)

Eddy Schambron

Die Erde ist eine Scheibe; die Frau hat dem Manne untertan zu sein; Nicht-Christen sind Heiden, also Menschen zweiter Klasse – wenn überhaupt. Die Kreuzzüge, auf denen die guten Christen die schlechten «Ungläubigen» abschlachten, sind gottgefällig, und die gewaltsame Zwangsmissionierung ists natürlich ebenso.

All dies und noch viel mehr hatten brave Christenmenschen in früheren Jahrhunderten als unverrückbar, gottgegeben und damit sakrosankt anzusehen und zu glauben. Wer derartige und weitere «Wahrheiten» in Zweifel zu ziehen wagte, war ein elender Ketzer und riskierte, von der «heiligen Inquisition» gefoltert, nach Belieben als Hexe verbrannt oder gnädigerweise «nur» ersäuft zu werden.

Die Geschichte der Kirche lebt und besteht aus Veränderung

Seither hat sich vieles verändert. Auch in der Römisch-katholischen Kirche. Andernfalls würde den genannten Ansichten und Praktiken auch heute noch nachgelebt. In Wahrheit lebt und besteht die Geschichte der Kirche aus Bewegung und Entwicklung. Vieles, was von konservativen Kreisen gerne als «ewig richtige und gültige» Ansicht oder Praxis verteidigt und propagiert wird, ist bei näherer Betrachtung viel jüngeren Ursprungs, als man gerne glauben machen möchte. Weiterentwicklung gehört zu jeder Glaubensgemeinschaft, wenn sie eine Zukunft haben will. Eine Kirche, die stillsteht, bleibt zurück. Denn die Menschen sind immer in Bewegung.

Auf die Veränderbarkeit der römisch-katholischen Kirche und die Notwendigkeit von Neuerungen hat am Donnerstag Felix Gmür, Bischof von Basel, in einem Interview mit der Solothurner Zeitung hingewiesen. Darin kommt zum Ausdruck, wie schwierig im extremen Spannungsfeld widersprüchlicher Erwartungen und Forderungen das aktive Gestalten selbst – oder erst recht – für einen Bischof ist.

Bischof Felix spricht von Kreisen, die sich vor Veränderungen fürchten, statt in diesen eine Chance zu sehen. Auch unter Hinweis auf Papst Franziskus plädiert der Bischof von Basel für einen offenen Umgang mit umstrittenen Themen. Und darin unterscheidet er sich wohltuend etwa von seinem Churer Amtskollegen Vitus Huonder, der in den letzten Wochen und Monaten in der Öffentlichkeit zunehmend die «Deutungshoheit» an sich gerissen hat. Das vornehme Schweigen der fortschrittlicheren Bischöfe vermag wohl einen öffentlichen Streit zu verhindern, es birgt aber auch die Gefahr, dass «Chur» zunehmend das Bild der Ortskirche Schweiz prägt.

Trotz aller auch von aussen sichtbaren Zwänge betrachtet sich Bischof Felix explizit als frei in seinem Tun. Dass er diese Freiheit in seinem Wirkungskreis auch tatsächlich für weitergehende – offizielle und inoffizielle – Schritte ins Offene nützen kann, das ist zu Ostern nicht nur ihm, sondern seinem ganzen Bistum zu wünschen.