Persönlich
Big Brother

Andreas Toggweiler
Andreas Toggweiler
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Der Film musste auf dem iPad geschaut werden. (Symbolbild)

Der Film musste auf dem iPad geschaut werden. (Symbolbild)

Neulich wurde mein digitales Weltbild um eine Illusion ärmer. Da Kinovergnügen mit Maske nicht wirklich meins ist, mieteten wir auf einem Online-Filmportal einen alten James Bond, um einen Sonntagabend lang in die «heile Welt der 80er-Jahre» eintauchen zu können. Als ich den Film starten wollte, poppte folgende Meldung auf dem Beamer auf: «Dieser Bildschirm ist zur Wiedergabe des Inhalts nicht zugelassen.» Peng. Aus der Traum. Aufwachen in der digitalen Realität, in der der amerikanische Computermoloch mit dem Gemüsehändlerlogo mir also auch noch vorschreiben will, auf welchem Gerät ich den bei ihm gekauften Film wiederzugeben habe. Brave new world.

Ich bezeichne mich ja als einigermassen digital aufgeschlossen. Aber da hat es dann doch irgendwie innerlich Klick gemacht. Nachdem ich mich sonst schon bis auf die Unterhose vor dem Datenkraken ausgezogen habe, lässt er mich jetzt auch noch tanzen in seinem Imperium. Ich sah innerlich die Nerds aus Cupertino, wie sie sich teuflisch amüsieren, dass wir den Film jetzt auf ihrem kleinen iPad-Bildschirm schauen müssen. So geht Demütigung. Abendfüllend.

Es ist Zeit, sich auf Ricardo nach einem guten alten Videorekorder umzuschauen und wieder TV-Programme zu studieren. Kassetten zum Überspielen habe ich im Keller noch.

andreas.toggweiler@chmedia.ch

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