Seitenhieb
Beschämend

Seit Monaten warnt die Schweizerische Volkspartei vor dem «Asylchaos».

Franz Schaible
Franz Schaible
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Die Bilder der Hunderttausenden von Menschen auf der Flucht lassen niemanden kalt.

Die Bilder der Hunderttausenden von Menschen auf der Flucht lassen niemanden kalt.

KEYSTONE/AP MTI/BALAZS MOHAI

Seit Monaten warnt die Schweizerische Volkspartei vor dem «Asylchaos». Die Zahlen explodierten, die Leidtragenden sei die Schweizer Bevölkerung. Der Flüchtlingsstrom aus Asien und Afrika nach Europa ist in der Tat enorm.

Die Bilder der Hunderttausenden von Menschen auf der Flucht lassen niemanden kalt. Es ist eine menschliche Tragödie. Davon sind aber in erster Linie andere Länder und Regionen direkt betroffen. Die Türkei, Grienchenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Süditalien . . .

. . . und im speziellen die griechische Insel Lesbos in der Ägäis. Sie zählt rund 95 000 Einwohner und ist flächenmässig 25-mal kleiner als die kleine Schweiz. Seit Monaten landen dort täglich Tausende Flüchtlinge mit Schiffen in der Hoffnung auf eine Weiterreise nach Mittel- und Nordeuropa.

Allein im September sind auf Lesbos laut Medienberichten 170 000 Menschen (!) auf der Flucht gestrandet. Es sind alles Regionen, die mit Armut, ungenügender Infrastruktur und Wirtschaftskrisen kämpfen und deren Bevölkerung auch ohne Flüchtlingsströme einen im Vergleich zur Schweiz harten Alltag zu meistern hat.

Wenn diese Länder von Chaos und Überforderung sprechen, ist das problemlos nachvollziehbar. Aber wenn in der Schweiz das «Asylchaos» ausgerufen wird, ist das nur beschämend. Übrigens: Dieses Jahr werden 35 000 bis 40 000 Asylbewerber in der Schweiz erwartet. @franz.schaible@azmedien.ch

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