Weissenstein-Tunnel
Bei Urteil zu Sanierung: auf Fakten abstellen!

Der Weissenstein-Tunnel wird notsaniert – und soll bis 2020 befahrbar bleiben. Bisher war immer davon die Rede, dass er nur bis 2016 betrieben werden dürfe. Dabei sollten aber auch alle Fakten zu den Passagierzahlen einbezogen werden.

Urs Mathys
Urs Mathys
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Drei Minuten dauert die Durchfahrt des Weissensteintunnels.

Drei Minuten dauert die Durchfahrt des Weissensteintunnels.

Hanspeter Bärtschi

Es ist ein offenes Geheimnis: Der Bund will die Bahnlinie Solothurn–Moutier lieber schon heute als morgen schliessen: Zu tiefe Frequenzen und Tunnel-Sanierungskosten von schwindelerregenden 170 Mio. Franken werden als Killerargumente ins Feld geführt. Kein «Moutier-Bähnli» ohne sanierten Tunnel, keine Sanierung ohne deutlich höheren Linien-Kostendeckungsgrad: So einfach ist die Rechnung, die «Bern» anstellt.

Neben den bau- und sicherheitstechnischen Aspekten sind die Passagierfrequenzen zentral. Nach der Schliessung des Weissenstein-Sessellifts waren diese in den Keller gerutscht – und mit ihnen auch der Kostendeckungsgrad auf tiefe rund 20 Prozent. Der Bund will nun auf die Frequenzen von fünf seilbahnlosen Jahren (2010 bis 2014) und nur einem Jahr mit neuer Gondelbahn (2015) sowie auf entsprechende Hochrechnungen abstellen. Dieses Vorgehen ist ungehörig und weckt erst recht den Eindruck, dass die Verantwortlichen nicht wirklich an Fakten interessiert sind, die ihr (Vor-)Urteil korrigieren könnten.

In Wahrheit hat die Gondelbahn in ihren bisher neun Betriebsmonaten zu einem traumhaften Frequenzplus von 150 Prozent im Eisenbahnbetrieb Solothurn–Oberdorf geführt. Zahlen, die auch für die Zukunft vielversprechend sind. Vor diesem Hintergrund gibt es zumindest eine gute Nachricht aus Bern zu vermelden: Der Weissensteintunnel soll mit «Notsanierungen» bis Ende 2020 in Betrieb gehalten werden. Eine Chance für neue Ideen – und auch etwas mehr Zeit, in der der Bund doch noch beweisen kann, dass ihm an ernsthaften Abklärungen und seriösen Entscheidgrundlagen gelegen ist.

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