Johanna Bartholdi
Anpacken ja, aber bitte nicht so!

Johanna Bartholdi, die streitbare Gemeindepräsidentin von Egerkingen, wollte eine Parallelwährung einführen.

Philipp Felber
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Johanna Bartholdi (Archiv)

Johanna Bartholdi (Archiv)

Keystone

Das dritte Mal preschte Johanna Bartholdi nun mit ihrer unkonventionellen Art zu politisieren hervor: In der Egerkinger Verwaltung soll es möglich sein, mit WIR-Geld zu bezahlen. Im Gegensatz zum Steuerpranger und dem Deutsch-Befehl fehlt ihr jetzt aber die Deckung des Gemeinderats. Mehr noch, dieser pfiff sie sogar zurück. Die ironische Antwort von Bartholdi: Offenbar habe sie ihre Kompetenzen «mal wieder überschritten».

Ist das sinnvolle Politik, wenn sich eine Gemeindepräsidentin in regelmässigen Abständen in rechtliche Grauzonen oder darüber hinaus begibt? Ist Bartholdi eine, die halt etwas macht anstatt nur zu reden und darum ein Vorbild für andere Politiker im Land? Was sicher ist: Einen Nerv, vor allem bei den Gewerblern, traf sie auch in diesem Fall wieder. Doch ein rechtlich abgesichertes Vorgehen würde auch denen gut anstehen, welche die Dinge anpacken. Denn: Etwas anpacken in Ehren, aber dass sie nun zurückrudern muss, ist peinlich.

Dürfen die Egerkinger nun auf weitere Coups, die ihr Dorf in die Schlagzeilen bringen, gespannt sein? Vor kurzem versicherte Bartholdi zwar, dass sie sich etwas zurücknehmen wolle, was ihr aber offenbar nicht gelang. Zudem dürfte es ihr bewusst sein, dass gerade ihre unkonventionelle Art zu politisieren im Dorf weiterhin Zuspruch erhält. Für die Wahlen 2017, bei welchen sie eine weitere Amtszeit als Gemeindepräsidentin anstrebt, ist jedenfalls keine aussichtsreiche Gegenkandidatur in Sicht. Deshalb dürfte Bartholdi auch in den nächsten vier Jahren für genug Gesprächsstoff sorgen.

philipp.felber@azmedien.ch