Kommentar
Annäherung an den «Eleven-Tower»

SZ-Chefredaktor Theodor Eckert kommentiert den höchsten Wohnturm der Schweiz. Gebaut wird dieser von Solothurnern.

Theodor Eckert
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Visualisierung: Der «Jabee-Tower» in Dübendorf wird mit 212 Wohnungen «bestückt». Angegliedert ist ein öffentlicher Park.

Visualisierung: Der «Jabee-Tower» in Dübendorf wird mit 212 Wohnungen «bestückt». Angegliedert ist ein öffentlicher Park.

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Röhrende Kampfjets des Militärs verhalfen Dübendorf zu landesweiter Bekanntheit. Nun liefert die Zürcher Gemeinde unweit des internationalen Flughafens Schlagzeilen der etwas anderen Art: In die Höhe schiessen soll schon bald der höchste Wohnturm der Schweiz. 32 Geschosse werden aufeinandergestapelt, wodurch das Gebäude letztlich auf stolze 100 Meter anwachsen wird und über zweihundert Wohnungssuchenden eine extravagante Perspektive bieten dürfte. Und weshalb bitteschön soll uns das im Kanton Solothurn interessieren? Kein Bewohner des beschaulichen Jurasüdfusses wird doch freiwillig sein Zuhause mit der unpersönlich-hektischen Agglomeration des Millionen-Zürichs vertauschen wollen.

Mal abgesehen von Form und Stil des Wohnsilos sprechen, Zürich hin oder her, zwei Gründe für eine nähere Betrachtung. Den «Jabee-Tower», cooler Name, hat nämlich ein Solothurner Architekturbüro entworfen. Und das ist nicht minder cool, wenn man bedenkt, dass dem Auftrag ein hart umkämpfter Wettbewerb vorausgegangen ist und im Hotspot Zürich ein Unternehmen aus der Provinz das Rennen gemacht hat. Alltäglich ist das nicht.

Der zweite Grund betrifft eine Entwicklung, der selbst wir Solothurner uns nicht verschliessen können: Sie betrifft den sorgsamen Umgang mit begrenztem (Bau-)Land und als Konsequenz daraus das Streben in die Höhe statt in die Breite. Ein neues Einfamilienhäuschen mit tausend Quadratmeter Umschwung war gestern.

Leben in einem «Eleven-Tower» zwischen Aare und Weissenstein ist Zukunftsmusik – was nicht ausschliesst, sich aus Distanz schon mal mit einem realistischen Beispiel zu befassen.

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