Persönlich
Als Zugfahren noch lustig war

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Ein Kondukteur freut sich 1998 im Zürcher Hauptbahnhof über die pünktliche SBB.

Ein Kondukteur freut sich 1998 im Zürcher Hauptbahnhof über die pünktliche SBB.

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Früher habe ich berufshalber Schulreisen durchgeführt. Klar waren die nicht immer lustig, aber manche schon. Und dabei hatten auch die SBB ihre Finger im Spiel. Nein, nicht der Verspätung wegen, nicht wegen eines Versprechers in der Bahnhofdurchsage. Nein, es lag vielmehr am Inventar der 2.-Klass-Wagen damals.

Erinnern Sie sich: Die hatten nämlich diese kleine Ablagefläche. Unbeweglich an der nach aussen gewandten Waggonseite montiert, manchmal verkratzt, gezeichnet von den Spuren der Zeit. Meist nicht sehr appetitlich anzusehen, aber sie verhalfen mir zu ungeheurem Ansehen bei den Kindern. Grund: Ich setzte mich stets ans Fenster mit Blick auf die Bahnhofuhr. Und wenn der Zeitpunkt der Abfahrt nahte, hiess ich einen Schüler mit der linken Hand auf die Ablagefläche drücken, um dem Zug grünes Licht zur Abfahrt zu geben.

Wenn es klappte, und es klappte oft, auch weil die SBB damals noch pünktlich fuhren, war das Staunen gross. Dass es da so einen geheimen Auslösemechanismus geben sollte, überraschte die meisten Kinder enorm. Natürlich nicht für lange. Sie kamen dem Trick rasch auf die Spur. Aber jene Momente ihres leicht amüsierten Zweifelns oder ihrer Verwunderung habe ich genossen. Und wenn der Trick aufgeflogen war, lachten wir, nahmen einen Schluck aus der Feldflasche, schauten bei der Anfahrt aus dem Fenster und entdeckten Autoschlangen vor Rotlichtern oder meinetwegen Mani Matters Kuh am Waldrand. Ein paar Kinder gackerten ob des Scherzes noch ein bisschen vor sich her, eh der Reisealltag wieder einkehrte.

Ach, Zugfahren, das war früher noch lustig.