Persönlich
Als ob Corona nicht schlimm genug wäre

Urs Mathys
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Auf WhatsApp machen Falschinformationen zum Corona-Virus die Runde. (Symbolbild)

Auf WhatsApp machen Falschinformationen zum Corona-Virus die Runde. (Symbolbild)

Keystone

Letzten Freitagmittag auf Whatsapp.
Die weitergeleitete Sprachnachricht der Kollegin einer Kollegin eines Kollegen tönt dramatisch und echt: Sie habe dank einer Indiskretion soeben erfahren, dass der Bundesrat am Samstagmorgen den Notstand ausrufen werde, teilt die Unbekannte ihrer Freundin «Moni» aufgeregt mit. Gefolgt von der ultimativen Aufforderung, jetzt einkaufen zu gehen, was sie brauche, «denn morgen wirst Du nichts mehr bekommen ‐ Zigaretten, Apotheken und so weiter ...» Und: «Moni» solle doch diese Nachricht an möglichst viele in ihrem engsten Freundeskreis weiterleiten – was sie offensichtlich getan hat ...

Neben jenen Hirnis, die mit Fake News bewusst Verunsicherung verbreiten und Hamsterkäufe auslösen wollen, gibt es auch Zeitgenossen, deren Wirken nicht minder fragwürdig ist – nur andersrum: So erhalte ich am Sonntagmorgen, ebenfalls per Whatsapp, ein Interview mit einem deutschen Arzt und Impfkritiker. Der breitet dort die Verschwörungstheorie aus, dass das neue Corona-Virus nur eine «Erfindung» der Pharmaindustrie sei, um deren Geschäft anzukurbeln – unterstützt von willfährigen Behörden in aller Welt. Schon in wenigen Wochen werde sich zeigen, dass Covid-19 nicht schlimmer gewesen sei, als jede saisonale Grippe ...

Die dritte Whatsapp-Nachricht dann am Sonntagnachmittag, von einem lieben Verwandten. Nur ein kurzer Text. Aber er sagt dennoch alles: «Herr, gib den Menschen Hirn ... Nudeln und Klopapier haben sie ja jetzt.»

urs.mathys@chmedia.ch