Bankgeheimnis
Kein «gewöhnlicher Krimineller»

Der Ex-Banker Rudolf Elmer ist vom Vorwurf der Verletzung des Bankgeheimnisses freigesprochen.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
Drucken
Teilen
Rudolf Elmer, rechts, mit Rechtsanwältin Ganden Tethong vor dem Zürcher Obergericht. Keystone

Rudolf Elmer, rechts, mit Rechtsanwältin Ganden Tethong vor dem Zürcher Obergericht. Keystone

KEYSTONE

Rudolf Elmer sei «kein Whistleblower, sondern ein ganz gewöhnlicher Krimineller», getrieben von Wut und Rachegedanken gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Bank Julius Bär. So sagte es der Vorsitzende des Zürcher Obergerichts bei der gestrigen Urteilsverkündung. Elmer wurde wegen Drohung, versuchter Nötigung und Urkundenfälschung verurteilt. Vom Vorwurf der Bankgeheimnis-Verletzung sprach ihn das Gericht aber frei. Das Urteil lautet: 14 Monate bedingt.

Die Sicht des Richters mag juristisch begründet sein, auch wenn der Begriff «Whistleblower» eine gewisse Unschärfe aufweist. Doch die historische Dimension des Falls erfasst sie nicht. Als Elmer ab 2004 zunächst Steuerämter und Medien, dann die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks mit Daten von Kunden der Julius-Bär-Tochterfirma auf den Kaimaninseln belieferte, schien das Bankgeheimnis noch in Stein gemeisselt. In den folgenden Jahren musste die Schweiz es unter internationalem Druck Stück für Stück preisgeben. Elmers Aktionen waren eine Begleiterscheinung dieses historischen Prozesses. Dahinter steckten auch persönliche Gründe: Elmer sah die Preisgabe von Kundendaten als einziges Mittel, um seine Familie vor der Beschattung durch seinen Ex-Arbeitgeber zu schützen. Er ist kein Held mit weisser Weste. Aber auch kein «ganz gewöhnlicher Krimineller». Und die Zürcher Justiz muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie über zehn Jahre brauchte, um zu erkennen, dass Elmer zur fraglichen Zeit gar nicht Angestellter einer Schweizer Bank war – womit eine Verurteilung wegen Bankgeheimnisverletzung wegfällt.

kontakt: matthias.scharrer@azmedien.ch

Aktuelle Nachrichten