Basler Kommentar
Wenn am Rheinbord süsslicher Cannabisduft aufsteigt

Kolumnistin Christine Keller flaniert dem Rheinbord entlang und kommt unweigerlich ins Grübeln über ein ungelöstes Problem: Der Basler Kommentar zum «guten» Umgang mit weichen Drogen in unserer Gesellschaft.

Christine Keller
Drucken
Jugendliche beim Kiffen. (Symbolbild)

Jugendliche beim Kiffen. (Symbolbild)

Keystone

Wir geniessen das sommerliche Basel, gumpen in den Rhein und freuen uns, dass wir das hier können. Und nach dem Schwumm flanieren wir am Rheinufer und hoffen, dass der neue «Dräggsack» das Littering hier und andernorts zum Verschwinden bringen wird. Wir genehmigen uns einen kühlen Trunk in einem der vielen Buvetten, die nicht nur wunderbare Orte zum Verweilen und Entspannen sind, sondern auch zu sozialem Frieden und Ordnung am Rheinufer einen wesentlichen Beitrag leisten.

Ich freue mich deshalb über den parteiübergreifend unterstützten Vorstoss im Grossen Rat, der verlangt, dass die Auflagen für die Buvetten gelockert werden. Warum sollen diese ihre Öffnungszeiten strikt auf sechs Monate beschränken müssen? Mehr Flexibilität und Verlängerungsmöglichkeiten angesichts der unberechenbaren Wetterkapriolen wären wünschenswert. April UND Oktober können uns warme Tage bringen, an denen wir auch Durst haben. Neben der lauen Sommerluft steigen uns Grilldüfte in die Nase. Und ab und zu dürfen wir auch passiv rauchen. Nicht nur Tabak.

Wir wissen es alle: Das Problem Cannabis ist ungelöst. Die Droge ist allgegenwärtig und nicht nur am Rhein riechbar. 65 Prozent der Betäubungsmitteldelikte in Basel-Stadt hatten 2013 mit Cannabis zu tun. Ich möchte Cannabis nicht verharmlosen. Besonders für sehr junge Menschen, deren Gehirn noch nicht ausgereift ist, birgt die Droge - genau wie auch exzessiver Alkoholkonsum - reale Gefahren.

Die Kriminalisierung bringt den Cannabiskonsum jedoch offensichtlich nicht zum Verschwinden, sondern fördert die organisierte Kriminalität beim Handel - demselben, der auch die harten Drogen wie Heroin oder Kokain vertreibt. Seit dem Nein des Volkes zur Legalisierung sind Liberalisierungsbemühungen ins Stocken geraten. Dabei sind neue Ideen gefragt. Ein Lösungsansatz wären Cannabis Social Clubs, die an ihre Mitglieder vom Staat toleriert begrenzte Mengen verkaufen dürften. Dies in gewisser Analogie zu den Gassenzimmern, wo allerdings kein Stoff abgegeben wird, aber die Einnahme in einer sauberen Umgebung und durch saubere Spritzen möglich ist und toleriert wird.

Damit wird die Entstehung offener Drogenszenen, wie wir sie früher auch in Basel hatten, verhindert. Es macht Sinn, wenn die besonders betroffenen Städte sich zur Entwicklung und Förderung solcher neuer Ideen zusammenschliessen. Die Kriminalisierung bringt nicht nur wenig bis nichts, sie verursacht auch hohe Kosten. SP-Grossrätin Tanja Soland verlangt in einem neuen Vorstoss eine Studie zu den Kosten, die im Strafvollzug, für die Gesundheit und die Gesellschaft im Allgemeinen durch die gegenwärtige rechtliche Situation in Bezug auf Cannabis entstehen. Es ist zu hoffen, dass das Ergebnis dieser Studie die Diskussion voranbringt.

Und nun: Allen einen friedlichen, warmen Sommer. In den Bergen, am Meer - oder hier am Rhein.

Aktuelle Nachrichten