Kommentar
Im Eiltempo durch die Trauerphasen im Alterszentrum Birsfelden

Silvana Schreier
Silvana Schreier
Merken
Drucken
Teilen
Das Alterszentrum Birsfelden verzeichnet rund einen Zehntel aller Corona-Todesfälle im Baselbiet.

Das Alterszentrum Birsfelden verzeichnet rund einen Zehntel aller Corona-Todesfälle im Baselbiet.

Juri Junkov

Eine Todesnachricht ist meist ein Schock. Anschliessend beginnt die Trauerbewältigung. Kaum vorstellbar, wenn innert sieben Wochen gleich 17 solcher Nachrichten eintreffen. Damit sehen sich das Alterszentrum Birsfelden und der Kanton Baselland konfrontiert. 17 Heimbewohnende verstarben, sie waren zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Zahl entspricht zehn Prozent der Todesfälle, die sich im Zusammenhang mit Covid-19 im Baselbiet ereignet haben.

Die erste Trauerphase beinhaltet das Leugnen der Todesnachricht. Ihr folgt die zweite Phase mit dem Gefühlskarussell und die dritte, das Erinnern und Abschiednehmen. Schliesslich erleben Trauernde Phase 4: Sie beschreibt den Aufbruch und die allmähliche Rückkehr ins Leben.

Natürlich sind Kanton und Heimleitung keine klassischen Trauernden. Aber könnte man erwarten, sie würden mit Bedacht mit der schieren Zahl umgehen. Irrtum: Sie wollen die Trauerphasen im Schnelldurchlauf hinter sich bringen. Leugnen lohnt sich nicht, die Zahlen stehen da, schwarz auf weiss. Für ein Gefühlskarussell bleibt in der Pandemie schlicht keine Zeit und das Abschiednehmen wird den Angehörigen überlassen. Selbstgerecht lassen die Zuständigen verlauten, sie seien zufrieden, die Zusammenarbeit verlaufe sehr zielführend. Übrig bleibt damit die Phase der Rückkehr ins Leben. Es scheint, Kanton und Heimleitung erledigten auch diese im Eiltempo.