AKW Fessenheim
Der Schrottreaktor muss stillgelegt werden

Ist unsere Gesundheit gefährdet wie bei Schweinegrippe und Zika-Virus, werden europaweit Sofortmassnahmen eingeleitet, doch bei einem beinahe GAU wie im AKW Fessenheim, spielt der Gesundheitsaspekt plötzlich eine kleinere Rolle als die Interessen der Atomlobby. Absurd.

David Sieber
David Sieber
Merken
Drucken
Teilen
Vor zwei Jahren kam es zum beinahe GAU im AKW Fessenheim.

Vor zwei Jahren kam es zum beinahe GAU im AKW Fessenheim.

bz/bro

Es ist ziemlich absurd: Da findet die Firma Mars in einem (!) ihrer Schokoriegel ein Stücklein Plastik und nimmt in der Folge in 55 Ländern sämtliche Produkte vom Markt. In Asien bekommt ein Schwein die Grippe, worauf die Schweizer Behörden zur Freude von Hersteller Roche Tamiflu im Wert von vier Millionen Franken ordern, das schliesslich kein Mensch braucht. Und droht am Horizont das Zika-Virus, drehen Weltgesundheitsorganisation und EU am Rad.

Bloss wenn es um Radioaktivität geht, zählt der Gesundheitsaspekt meist deutlich weniger als die milliardenschweren Interessen der Atomlobby. Dem bröckelnden AKW Mühleberg sollen nun immerhin Ende 2019 die Brennstäbe gezogen werden, doch alle weiteren Schweizer Meiler bleiben auf unbestimmte Zeit am Netz. So will es der Nationalrat, der mit den Begriffen «Fukushima» und «Energiewende» offensichtlich nicht allzu viel anfangen kann.

Die Schweiz, bis vor kurzem im Besitz von 20 Kilo waffenfähigem Plutonium, ist also nicht unbedingt in der Position, mit dem Finger auf Nachbarländer zu zeigen. Was sich aber vor zwei Jahren im AKW Fessenheim zugetragen hat, erzwingt eine Intervention von Bundesrat und den Regierungen beider Basel. In Paris, aber auch und vordringlich bei den drei Schweizer Minderheitseignern Alpiq, Axpo und BKW.

Drei Minuten haben damals zu einem möglichen Super-GAU gefehlt, wie deutsche Medien berichten. Treffen die Recherchen zu, handelt es sich um den gefährlichsten atomaren Zwischenfall in Westeuropa. Und das vor unserer Haustür. Die Betreiberfirma, bestens vernetzt mit den französischen Behörden, meldete damals einen Wassereinbruch und verschwieg alles Weitere. Nicht einmal die Internationale Atomenergiebehörde wurde informiert.

Der Schrottreaktor muss stillgelegt werden. Sofort. Strahlung lässt sich nicht zurückrufen.