Gastkommentar
Christoph Brutschin: «Niemand musste in Basel draussen schlafen»

Christoph Brutschins Gastkommentar zur Debatte um die Notschlafstelle. Der Autor ist Regierungsrat (SP) und steht dem Departement für Wirtschaft, Arbeit und Soziales vor.

Christoph Brutschin
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Der Eingang zur Basler Notschlafstelle

Der Eingang zur Basler Notschlafstelle

Kenneth Nars

Schon vor dem «postfaktischen Zeitalter» wusste Mark Twain: «Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.»

Damit sie ihre Verspätung aufholt, hier die Wahrheit vorneweg: Die Nothilfestelle Basel hat niemanden abgewiesen und draussen in der Kälte übernachten lassen. Derzeit wird Gegenteiliges kolportiert. Um drei junge Männer aus Rumänien geht es. Sie hatten sich wohl aufgemacht in die Schweiz, in der Hoffnung zu Arbeit und etwas Wohlstand zu kommen. Beim Bahnhof, so nehmen wir weiter an, könnten sie von anderen Personen, welche sich in der gleichen Lage befanden, auf die Angebote von gratis Essensangeboten hingewiesen worden sein.

So trafen sie eines Abends bei Soup and Chill ein und wurden in dieser privat geführten und staatlich unterstützten Wärmestube verköstigt. Zusätzlich gab es noch Kostengutsprachen für eine sehr günstige Übernachtung in der für einheimische Obdachlose vorgesehenen Notschlafstelle. Dort seien sie kaltherzig abgewiesen worden, hätten draussen in der Kälte übernachten müssen, behauptet die Leiterin von Soup and Chill - und einzelne Medien halten ihr den Lautsprecher hin, bauschen gar mit dem Pauschalvorwurf auf, dass in Basel alle Osteuropäer draussen übernachten müssten.

Die Wahrheit ist: Die drei jungen Männer haben sich nie bei der Nothilfestelle gemeldet. Um was geht es in dieser Auseinandersetzung eigentlich? Sind es die wenigen osteuropäischen Wanderarbeiter, oder geht es um Glaubwürdigkeit, Anerkennung und Finanzierungsfragen? Es wird Verschiedenes vermischt: Unmut über die Notschlafstelle und deren Zustand zum einen, Finanzierung und Vereinbarungen zwischen Behörde und Institution zum andern und der Umgang mit Randständigen vor allem.

Es sind wichtige Themen, finde ich. Nutzbringend wäre es nun zu versachlichen, gemeinsam mit allen Fachpersonen aus dem Bereich der Randständigen eine objektive Analyse zu machen und danach eine adäquate Diskussion zu führen.

Dazu hat die Sozialhilfe die Vertretungen aller Organisationen, welche sich mit dem Thema beschäftigen zu einem runden Tisch eingeladen. Ich verspreche mir eine konstruktive, sachliche und lösungsorientierte Diskussion.

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