Apropos
Wir versuchen es später noch einmal

Urs Moser
Urs Moser
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Digital Natives: Das Smartphone stets zur Hand – doch ältere Semsester haben ihnen etwas voraus. (Symbolbild)

Digital Natives: Das Smartphone stets zur Hand – doch ältere Semsester haben ihnen etwas voraus. (Symbolbild)

hanspeter baertschi

Es ist nicht so, dass wir älteren Semester uns den Neuerungen der digitalisierten Welt verschliessen würden. Wir tummeln uns in den sozialen Medien und posten unsere Dessertkreationen oder die Kapriolen unserer Stubentiger, als ob wir nie etwas anderes gekannt hätten.

Für eine Zugfahrt holen wir uns das Ticket selbstverständlich über die SBB-App. Theoretisch: Es ist eine Störung aufgetreten, versuchen Sie es später noch einmal. Fliegen wir in die Ferien, haben wir selbstverständlich schon am Vortag selber online eingecheckt. Nach gefühlten hundert Anläufen: Es sind keine Buchungsinformationen vorhanden. Poststellenschliessungen bringen uns schon lange nicht mehr in Wallung, den Zahlungsverkehr erledigen wir schliesslich per E-Banking. Im Prinzip: Der Dienst steht zurzeit nicht zur Verfügung. Den Text dieser Kolumne habe ich gestern noch rasch nach Feierabend während der Zugfahrt nach Hause in die Redaktion geschickt. Wollte ich jedenfalls: kein Internetzugriff.

Wir älteren Semester haben den Digital Natives etwas voraus: Uns bleibt wenigstens noch die Erinnerung an eine Welt, die analog funktionierte, ja tatsächlich funktionierte. Uns bleibt ein mildes Lächeln, wenn wir sie fluchen hören: Die digitale Revolution ist eine Bitch, wir versuchen es später noch einmal.

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