Mensch & Medien
Wenn Hüppi und Co. bloss die Vorhut sind

Christian Mensch
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Matthias Hüppi, der neue Verwaltungsratspräsident des FC St. Gallen.

Matthias Hüppi, der neue Verwaltungsratspräsident des FC St. Gallen.

KEYSTONE/BENJAMIN MANSER

Da es schwierig ist, mit vernünftiger Argumentation von der Unvernunft der No-Billag-Initiative zu überzeugen, gilt es auf die Kollateralschäden aufmerksam zu machen, die mit der Annahme der SRG-Ablehnungs-Initiative verbunden wären. Etwa, was passierte, sollten SRG-Mitarbeiter den Arbeitsmarkt überschwemmen.

Dass Medienschaffende in der Midlife-Crisis gerne die Fronten und in die PR wechseln, ist bekannt. Nicht aber ist auszudenken, welche Aufblähung diese Branche in staatlichen wie in nichtstaatlichen Betrieben erwartet, wenn die SRG-Arbeitsplätze nicht erhalten bleiben und sich eine Flut von Kommunikationsprofis allen Alters ihre Dienste anbietet.

Weitere Arbeitsmarktfelder werden betroffen sein. In den Spuren von Filippo Leutenegger (Stadtrat Zürich) und Matthias Aebischer (Nationalrat) wird der Politbetrieb einen medialen Schub erleiden. Gegen eloquent auftretende Journalisten werden jene Politiker einen schweren Stand haben, die es trotz radebrechender Rhetorik bis ins nationale Parlament geschafft haben. Also eine parteiübergreifende Mehrheit.

Wenn Fussballkommentatoren wie Matthias Hüppi nun sogar Fussballvereinspräsidenten werden, so lässt sich ausmalen, dass keine Branche unversehrt bleiben wird. Die neuen Theater- und Museumsdirektoren rekrutierten sich schon bald aus der SRG-Kulturabteilung. Den zahlreichen Verbänden droht die Übernahme durch eine Fachkraft mit SRG-Expertise. Weder Wirtschaft noch Wissenschaft werden vor den neuen Wettbewerbern gewappnet sein. Ist die SRG-Kolonne einmal in Gang gesetzt, wird es kein Halten geben.

Das will doch niemand. Deshalb sollte man sie machen lassen, was sie gar nicht so schlecht können: Das Programm der SRG gestalten.