Apropos
Unser Geheimnis im Auge des Falken

Max Dohner, von der TV-Couch
Max Dohner, von der TV-Couch
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Eine verbreitete Klage geht dahin: Die Welt habe kein Geheimnis mehr. Zu viel Technik – alles präzise auszumessen, alles kalt. Nun gibt’s Technik seit 200 Jahren. Aber erst seit kurzem ist sie schlauer als der Mensch. Diese hinfällige Kreatur, werden Sie sagen, sei doch kein Massstab! Also vergleichen wir anders: Die heutige Technik ist schlauer als der Falke.

Oder hätte ein Falke erkannt, was Stan Wawrinka nicht gesehen hatte? Und ein erfahrener Linienrichter kreuzfalsch? Hawk-Eye, das Falkenauge der Technik, ging nahe dran. Die Grafik davon war gestern den ganzen Tag zu sehen auf Socialmedia-Plattformen. Stans Ball kratzte um einen Millimeter noch die Linie; Stan hätte den Punkt gewonnen statt verloren. Aber auch mit dem Punkt hätte er wohl das Finale gegen Roger Federer in Indian Wells verloren.

Ob der Ball gut war oder out – die Frage ist geklärt, dank Hawk-Eye. Damit ist tatsächlich die Ursache für viele aufregende Sportmysterien verloren gegangen. Trotzdem wurde über Stans Ball tagelang spekuliert: Nun rätselten die Tennisfans einfach, wieso Stan nicht auf Hawk-Eye bestanden hatte und sich lammfromm der «absoluten Sicherheit» des Linienrichters beugte?

Hawk-Eye, Torkamera usw. – der Mensch bleibt sich selbst das grösste Sporträtsel.

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