Kolumne
Sale away!

Daniel Cortellini schreibt in der BT-Kolumne über Rabatt-Schlachten, die dem Kunden den Kaufgenuss stehlen.

Daniel Cortellini
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Daniel Cortellini schreibt in seiner Kolumne über Rabatt-Schlachten

Daniel Cortellini schreibt in seiner Kolumne über Rabatt-Schlachten

Da erreicht mich doch nach wohlverdientem Feierabend eine Email eines Stadtwarenhauses... Heb di fescht: Der Sale ginge weiter, 70 (siebzig) Prozent Rabatt plus weitere 20 Prozent, wenn Du grad drei Teile kaufst.... Mannomann – tut mir das weh! Da werde ich doch tatsächlich von einer eigentlich respektablen Adresse für primitivo wie ein Halbeli gehalten!

Über den Autor

Daniel Cortellini betreibt an der Rathausgasse in Baden ein Fachgeschäft für Schweizer Weine. Er ist in Baden aufgewachsen und war während fünf Jahren Präsident der Unteren Altstadt Baden.

Einerseits rechnen sie offenkundig damit, dass der Durchschnittsmensch die 70 plus 20 Prozent zusammenzählt, was ja dann 90 Prozent Rabatt ergäbe – was vermutlich nicht der Fall ist. Vielmehr gäbe es wohl auf der Restanz von 30% weitere 20%, so erreichen wir aber immerhin auch 76%. In diesem Falle wärs sicher mal eine «Irreführung der Konsumenten». Aber egal, den Zusatzrabatt kriegst Du eh nur, wenn Du grad DREI Teile nimmst... Bei einem systematischen Rabatt von 90 oder 76 % liesse sich eigentlich auf «Falschbeschilderung von Waren» schliessen oder aber infolge der Rabattbedingung sicher auf die «Landeszumüllung mit System»! Gibt’s da kein Gesetz???

Gott erbarme! Wieviel tausend Tonnen weiteren Ramsch werden wir noch über uns ergehen lassen müssen, bis der letzte aller Verkaufsmanager verstanden hat, dass ein Mensch pro Tag nicht mehr als eine Flasche Wein trinken sollte, dass mehr als drei XXL-Rindsentrecôte aus Argentinien wöchentlich ungesund und langweilig werden könnten und dass wir spätestens nach dem dritten Staubsauger eigentlich eine Ferienwohnung kaufen müssten. Oder aber wir kübeln die föhrige Materie im Wald! Oder im Meer, dort fällts weniger auf!

Wie lange dauert es noch, bis sich der geneigte Verkäufer also dem realen menschlichen Bedürfnis orientiert und dessen Umfang akzeptiert? Die Welt wächst ja nicht unendlich... Dafür sollte man diesem Umfang mit Würde, Treffsicherheit und Qualität begegnen, was nachhaltiger wäre – im Gegensatz zur heutigen Rabattschlacht. Aber was die Verkaufsgilde so oder so noch herausfinden wird: Rabatte von 76% oder 90% sind nicht existenzberechtigt, sprich ruinös, für wen auch immer. Wer mit diesen Instrumenten spielt, wird sich auf kurz oder lang ganz bös die Finger verbrennen. Ich freue mich auf den Tag, wo sich auch die Kaufhäuser wieder vermehrt dem Menschen mit durchschnittlicher Kaufkraft und Intelligenz widmen und diese mit einem garantiert sale-freien Einkaufsparadies umgarnen werden.

Kaufstätten, welche die Kundschaft mit ehrlichem Engagement und guter Beratung am Ramsch vorbei, zielsicher zum Angebot führen – und entsprechend auch ehrliches Geld erhalten werden. Wir haben viele Kunden, welche nicht permanent mit untergründigen Rabattangeboten angerempelt werden wollen. Einkaufen ist eine wertvolle Sache, ein Privileg, welches auch eine Genusskomponente aufweisen müsste – die zahlreichen Schnäppchen machen uns kirre, was das Gegenteil davon ist, deshalb: Sale away!

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