Fahrländer
Nichtwähler und verlorene Suhrentaler

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
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Die Wahlbeteiligung bei den letzten Grossratswahlen lag bei nur 33 Prozent. (Symbolbild)

Die Wahlbeteiligung bei den letzten Grossratswahlen lag bei nur 33 Prozent. (Symbolbild)

Keystone

Haben Sie es auch gelesen? Die Statistiker des Kantons haben uns mitgeteilt, wer im Aargau so wählen geht – beziehungsweise nicht wählen geht. Konkret ging es um die letztjährigen Grossratswahlen mit einer bedenklichen Beteiligung von 32,8 Prozent. Zu denken gibt aber nicht nur die «Gesamttiefe», sondern vor allem die Altersverteilung: Die Quote der Wahlbeteiligung erreichte bei Frauen mit 75 den Höchststand, bei den Männern lag dieser Punkt bei den 80-Jährigen. Man spinne diesen Faden weiter. Wie zum Beispiel die kommenden Abstimmungen vom 12. Februar (mit der Anti-Lehrplan-Initiative) von den 75- bis 80-Jährigen entschieden werden, weil diese am fleissigsten zur Urne schreiten ... Altersbeschränkung an der Urne? Weniger Gewicht für eine «alte» Stimme? Alles Mumpitz! Die Senioren tun nichts anderes, als ihre Rechte als Demokraten wahrzunehmen. So sind sie eben erzogen worden. Aber die Jungen und Mittelalterlichen! Denen sollte man eine Rakete in... Sie wissen schon.

Themenwechsel. Bekommt der Aargau schon bald einen neuen Bezirk? Er könnte «Bezirk Suhrental» heissen und 12 Gemeinden vom Rueder- bis zum Uerkental umfassen. Heute sind die 12 Kommunen auf die Bezirke Kulm, Zofingen und Aarau aufgeteilt. Einige Suhrentaler finden indessen, sie hätten nichts mit diesen Regionalzentren zu tun, sie bräuchten ein eigenes.

Der Kanton Aargau wurde bekanntlich vor 214 Jahren von Napoleon geschaffen. Er teilte ihn in 11 Bezirke, 50 Kreise und 229 Gemeinden ein. Man kann einerseits argumentieren: In 214 Jahren tut sich ja einiges, auch die Zahl der Kreise und der Gemeinden hat sich verändert, Napoleon würde sich kaum im Grab drehen, wenn Hand an seine Bezirke gelegt würde. Anderseits wirkt das Vorhaben schon etwas «aus der Zeit gefallen». Eigentlich geht der Trend ja Richtung weniger und grössere Verwaltungseinheiten. Gemeinden gibt es noch 213, (Friedensrichter-)Kreise noch 17. Der letzte Vorschlag, die Bezirkseinteilung zu ändern, betraf eine Fusion der Bezirke Laufenburg und Rheinfelden (er starb allerdings kurz nach der Geburt wieder). Die Bedeutung der Bezirke hat weiter abgenommen, seit vor vier Jahren die elf Bezirksämter abgeschafft und durch sechs regionale Staatsanwaltschaften ersetzt wurden.

Kehren wir zu den Nichtwählern zurück: Bezirkswahlen locken meistens noch weniger Bürger an die Urne als kantonale Wahlen. Daraus folgt: Leben in und Zugehörigkeit zu den Bezirken ist den meisten Menschen wohl schlicht zu wenig wichtig, um ihretwegen eine Grossübung zu veranstalten.