Apropos
Grosse Väter – das Leiden der Söhne

Christoph Bopp
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Melvyn Richardson (in weiss) ist der Sohn des grossen Jackson Richardson

Melvyn Richardson (in weiss) ist der Sohn des grossen Jackson Richardson

Keystone

Jeder Schüler deutscher Muttersprache kennt Franz Kafkas «Brief an den Vater». Stephan Beckenbauer, der Sohn von «Kaiser Franz», hatte es als Fussballer nicht leicht. Goethes Sohn, Mozarts Sohn, sie schafften es beide nicht, richtig aus dem Schatten ihrer Erzeuger zu treten.

Im Handball ist es anders. Söhne schaffen es dort. Neustes Beispiel: Melvyn Richardson, der Sohn des grossen Jackson Richardson. Mit 21 gewinnt der Linkshänder mit der riesigen Sprungkraft und dem strammen Wurf (133 km/h im Halbfinale gegen Vardar Skopje) das Finale der Champions League gegen Nantes.

Mit 21 war sein Vater die Sensation an der Handball-WM 1990 in der CSSR. Der Rasta-Mann aus La Réunion blieb in der Abwehr nicht an der Linie, sondern stahl den verblüfften Angreifern die Bälle gleich reihenweise. Trainer Daniel Costantini führte Frankreich aus der C-Gruppe an die internationale Spitze. Er hatte viele Talente im Team, aber Jackson Richardson und seine Art zu spielen waren einzigartig. Er wurde zu Recht zum wertvollsten Spieler gewählt.

Dies ist kein Einzelfall: Alex Dujshebaev, der Sohn des grossen Talant, braucht sich ebenfalls nicht zu verstecken hinter dem Vater. Auch er ein Linkshänder – die sind halt irgendwie anders.

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