US-Wahlen
Ein Egomane als US-Präsident?

Renzo Ruf, Washington
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US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump.

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump.

KEYSTONE/AP/TED S. WARREN

Wenn die Historiker dereinst die Geschichte dieses verrückten US-Wahlkampfs auf Papier bringen, wird der Juni ein zentrales Kapitel füllen. Denn entweder hat der Republikaner Donald Trump den Grundstein für seinen Sieg gelegt – auch weil es ihm mittels rhetorischer Ausfälle gegen Muslime gelungen ist, die latenten Ängste der Amerikaner zu schüren. Oder aber – und das ist wahrscheinlicher – Trump hat sich sein eigenes Grab geschaufelt. Denn die Amerikaner mögen wütend und frustriert sein über unfähige Politiker und überforderte Anti-Terror-
Kämpfer. Aber einen Mann, der mehr Wert darauf legt, seine politischen Gegner zu beleidigen, als eine positive Botschaft unters Volk zu bringen, wollen selbst Republikaner nicht im Weissen Haus sehen.

Dabei befand sich Trump nach dem Massaker in Orlando politisch in einer komfortablen Lage. Denn die Bluttat des 29-jährigen Omar Mateen wirft ein Schlaglicht auf den
sicherheitspolitischen Schlamassel, in dem die Regierung Obama steckt: Auf den arabischen Schlachtfeldern gibt es wenig messbare Fortschritte im Kampf gegen die IS-Terroristen. Und trotz der Beteuerung des Weissen Hauses, die Terror-Gruppe sei in den USA nicht präsent, haben IS-Sympathisanten in San Bernardino und Orlando insgesamt 63 Menschen ermordet.

Trump aber entschied sich, Öl ins Feuer zu giessen. Einmal mehr stellte er mit provokanten Aussagen seine eigene Person ins Zentrum der Debatte. Verbunden mit der Nachricht, dass sich seine Berater bekämpfen und das Geld für einen normalen Wahlkampf fehlt, ergibt sich das Bild eines Egomanen. Das Wohl des Landes ist Trump egal.