Rockwell-Aus
Bitter – aber auch eine Chance

Die Firma Rockwell Automation verlagert ihre Produktion ins Ausland. In Aarau sind 250 Stellen in Gefahr – der Kommentar.

Urs Helbling
Urs Helbling
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Bei der Firma Rockwell Automation mit Hauptsitz in Aarau droht ein Stellenabbau. Laut Gewerkschaften sind 250 der 500 Arbeitsplätze in Gefahr.

Bei der Firma Rockwell Automation mit Hauptsitz in Aarau droht ein Stellenabbau. Laut Gewerkschaften sind 250 der 500 Arbeitsplätze in Gefahr.

sda

Rockwell war für Aarau stets etwas Besonderes. Denn in Rockwell steckte ein letzter Rest Sprecher + Schuh. Jenem Unternehmen, das zusammen mit der Firma Kern bis gegen Ende des letzten Jahrhundert den industriellen Stolz der Kantonshauptstadt ausmachte.

Aus und vorbei. Die letzte grosse, klassische Fabrik ist bald Geschichte. Aarau hat sich definitiv zur Dienstleistungs- und Beamtenstadt entwickelt. Und in der Region steigt die Bedeutung der KMU, aber auch der Industrie der Grossverteiler (Migros und Coop) sowie der Logistik-Betriebe weiter an.

Es ist schade um jeden Arbeitsplatz, der verloren geht. Es ist bitter für die 250 Direktbetroffenen. Doch die in den USA beschlossene Job-Verlegung ist für die Stadt kein Untergang: Denn es gibt neben Ab- auch Aufbau. So wird die nationale Netzwerkgesellschaft Swissgrid im kommenden Sommer 450 Arbeitsplätze nach Aarau verlegen.

Für die Stadt könnte der Wegzug des industriellen Teils von Rockwell – der administrative wird ihm wohl über kurz oder lang ebenfalls folgen – auch eine Chance sein. Denn die frei werdenden, teilweise recht alten Gebäude müssen schon bald einer neuen Nutzung zugeführt werden. Diese wird wohl kaum mehr aus Produktion bestehen. Umnutzung in Büros? Oder Abbruch und Neubau? Die Bildung eines Pensionskassen-Clusters mit der Keimzelle GastroSocial? Oder der Bau von Wohn-Türmen? Eines steht fest: Die seit Mai laufende Revision der Bau- und Nutzungsplanung rund um das geplante Stadion hat seit gestern eine ganz neue Bedeutung.

urs.helbling@azmedien.ch