Kommentar
Abwahl der Ethik-Chefs: Infantinos Fifa stellt sich ins Abseits

Rainer Sommerhalder
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Gianni Infantino kommt unter Druck.

Gianni Infantino kommt unter Druck.

KEYSTONE/AP/DIEU NALIO CHERY

Der Weltfussballverband tauscht überraschend die Führung seiner Ethikkommission aus. Dies entgegen allen Beteuerungen. Es müssen ausgerechnet jene zwei Personen gehen, die sich in den krisenschwangeren Jahren als beinahe einzige verlässliche Konstante der Fifa erwiesen haben.

Der Schweizer Chefermittler Cornel Borbély und der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert standen für die Glaubwürdigkeit des Verbandes. Und sie machten in ihrem Wirken auch vor den grossen Namen Blatter und Platini nicht halt.

Lesen Sie hier die Hintergründe zur Absetzung der Ethikkomission.

Durch den ohne Not und ohne plausiblen Grund getätigten Austausch der Ethiker stellen sich die Fifa und deren Schweizer Präsident Gianni Infantino ins Abseits.

Vielleicht haben die Mitglieder des Fifa-Councils das Gefühl, Fussball sei nur ein Spiel und nach dem Abseitspfiff gehe dieses einfach so weiter. Sie irren sich.

Mit ihrem Entscheid setzen sie die in der Öffentlichkeit oft infrage gestellte Glaubwürdigkeit der Reformen endgültig aufs Spiel. Und sie pokern hoch. Sie liefern der US-Justiz neue Munition, um dem Weltfussballverband in den hängigen Korruptionsfällen den Opferstatus zu entziehen und die Fifa als Täterin zu deklarieren. Dies schliessen selbst Fifa-freundliche Fachleute nicht mehr aus.

Im Zentrum des medialen Gewittersturms der vergangenen 24 Stunden steht einmal mehr Gianni Infantino. Nach dem Amtsantritt des neuen Fifa-Präsidenten haben wir an dieser Stelle die Frage gestellt: «Wie viel Reformer steckt in Infantino?» Das Fragezeichen ist am Dienstag grösser geworden.

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