Kommentar
Kritik an Schweizer Fleisch: Hehres Ziel, falscher Weg

Greenpeace wirft dem Label «Schweizer Fleisch» Etikettenschwindel vor. Doch die tatsächlichen Probleme müssten auf anderer Ebene angegangen werden.

Niklaus Salzmann
Niklaus Salzmann
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«Schweizer Fleisch» sagt aus, dass die Tierhaltung der Schweizer Gesetzgebung genügt.

«Schweizer Fleisch» sagt aus, dass die Tierhaltung der Schweizer Gesetzgebung genügt.

Pixabay

Hehres Ziel, falscher Weg Schweizer Kühe fressen ausländisches Futter. Ist das Label «Schweizer Fleisch» deswegen ein Etikettenschwindel? Nein. Wer eine Schweizer Uhr ersteht, erwartet schliesslich auch nicht, dass der Stahl aus inländischer Produktion stammt, und wer Schweizer Gemüse kauft rechnet nicht damit, dass der Dünger in der Schweiz hergestellt wurde. «Schweizer Fleisch» ist kein Futterlabel, sondern sagt aus, dass Tiere nach Schweizer Tierschutzgesetzgebung gehalten wurden – und damit nach höheren Mindeststandards als in den meisten anderen Ländern.

Tatsächlich können Futtermittelimporte aber für die Umwelt problematisch sein. Soja stammt zum Beispiel zu einem Grossteil aus Brasilien, wo für den Anbau Regenwald zerstört wird. Auch die Transportwege schlagen negativ zu Buche.

Der Konsum bleibt konstant

Greenpeace fordert deshalb, dass wir nur noch so viel Fleisch produzieren, wie wir auch inländisch ernähren können. In der Praxis würde dies bedeuten, die Fleischproduktion in der Schweiz zurückzufahren. Der Konsum ist aber in den vergangenen zwanzig Jahren ziemlich stabil geblieben, er liegt bei rund 50 Kilogramm pro Kopf. Letztlich müsste also mehr Fleisch importiert werden.

Oder der Fleischkonsum müsste kräftig sinken. Das wäre ohnehin die ökologisch sinnvollste Variante, da tierische Produkte das Klima weit stärker belasten als pflanzliche. Das zu erreichen ist aber nicht Aufgabe des Labels «Schweizer Fleisch».