Kommentar
Bei der Erforschung eines Malaria-Impfstoffs fehlte lange das Geld – denn die Krankheit ist kein Problem der ersten Welt

Roman Schenkel
Roman Schenkel
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Forschern gelang es, einen wirksamen Impfstoff gegen Malaria zu entwickeln.

Forschern gelang es, einen wirksamen Impfstoff gegen Malaria zu entwickeln.

Keystone

260'000 Kinder sterben jährlich in Afrika an Malaria. Nun gibt es einen Durchbruch: Ein getesteter Impfstoff zeigt eine gute Wirksamkeit. Die Hoffnung ist gross. Denn die Suche nach einem Vakzin dauert schon lange. Immer wieder gab es Rückschläge.

Das ist irritierend, wenn man bedenkt, wie rasant die Impfstoffentwicklung in der Coronapandemie vorangeschritten ist: Nach nur 1½ Jahren standen uns gleich mehrere Impfstoffe zur Verfügung. Gegen Malaria aber ist noch immer kein Impfstoff auf dem Markt.

Das liegt zum einen in der Biologie. Malaria wird anders als Covid-19 nicht durch ein Virus hervorgerufen, sondern durch einen Parasiten. Die weiblichen Tiere der Anopheles-Mücke übertragen diesen beim Stechen ins Blut der Menschen. Gegen einen eigenständigen Organismus ein Vakzin zu entwickeln, ist ganz andere Liga.

Der zweite Grund ist die Finanzierung: Während die Staaten für die Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen binnen kürzester Zeit Hunderte Milliarden Dollar sprachen, hat die Forschung gegen Malaria viel weniger Geld von der öffentlichen Hand erhalten. Es liegt auf der Hand, weshalb: Malaria ist kein Problem der ersten Welt. Gestorben wird weit weg. Die Kinder in Afrika versprechen zudem keinen finanziellen Gewinn.

Drittens: Glück. Bei aller Brillanz der Forschenden. Bei der Suche eines Vakzins ist Glück ein nicht zu unterschätzender Faktor. Was, wenn wir es beim Sars-COV-2 mit einem stark mutierenden Virus wie dem Aids-Erreger HIV zu tun gehabt hätten? Nicht immer ist die Achillesferse eines ­Erregers so schnell gefunden.

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