Medienkolumne
Videos auf Tiktok: Wie lange hält man das aus? 15 Sekunden oder doch 3 Minuten?

Instagram und Tiktok haben die Maximallänge ihrer Videos angepasst. Tweets dürfen doppelt so viele Zeichen enthalten. Alles wird länger. Nur Google macht da nicht mit. Der Grund: Das Geld.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Medienunternehmen führen einen Kampf um Aufmerksamkeit. Die Angebote sind ausufernd, das Zeitbudget der Nutzer begrenzt. Doch wie lange ist die Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen? Früher hiess es: 45 Minuten, dann ist die Konzentration weg. Deshalb ertönt an Schulen nach einer Dreiviertelstunde die Pausenglocke.

Für Internetnutzer ist das eine halbe Ewigkeit. Soziale Medien muten uns eine deutlich geringere Konzentrationsfähigkeit zu. Twitter startete mit 140 Zeichen – mehr will doch keiner lesen. Instagram und Tiktok begrenzten die Videos auf 15 Sekunden – alles andere ist ja schon fast ein ganzer Spielfilm.

Doch jetzt findet ein Umdenken bei den Techunternehmen statt: Wenn sich die Kinozuschauer 2 Stunden und 40 Minuten Zeit nehmen, um James Bond zu sehen, wie dieser keine Zeit zum Sterben hat, dann sollte es doch möglich sein, dass Insta­gram-Nutzer ihre Aufmerksamkeit zumindest eine Minute auf ein einzelnes Video lenken können. Die Plattform testet nun 60-sekündige Formate. Zuvor schon hat Tiktok seine Maximallänge der Clips auf ganze drei Minuten erhöht und Twitter das Limit für Nachrichten auf 280 Zeichen verdoppelt.

Alles wird wieder länger. Ausser die kurzen Schnipsel, mit denen Google seinen Nutzern Nachrichtenartikel schmackhaft macht. Die sind oft unverständlich verknappt. Der Grund: Würden längere Vorschauen angezeigt werden, müsste Google den Verlagen eine Gebühr zahlen. Will natürlich eine Firma, die der Gratismentalität frönt, auf keinen Fall.

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