Gastkommentar
Aus der Bühnenpräsenz lässt sich schliessen: Satire ist männlich – doch auch Frauen sind witzig

Es ist notwendig, dass Satire – ein lange von Männern dominiertes Genre – breiter aufgestellt ist, schreibt unsere Gastautorin in ihrem Beitrag. Damit das gelingt, braucht es Frauen – und Männer.

Susanne Wille
Susanne Wille
Drucken
Teilen
Slampoetin Lisa Christ zeigt ihr erstes Programm im Eisenwerk in Frauenfeld.

Slampoetin Lisa Christ zeigt ihr erstes Programm im Eisenwerk in Frauenfeld.

Reto Martin

Eigentlich müsste ich diesen Text mit einem bissigen Spruch oder einem knackigen Witz beginnen. Nur überlass ich das jenen, die das besser können. Insbesondere den Frauen, denn in diesem Text geht es um Satire von Frauen. Nur sind wir so schon mittendrin im Problem. Die Betonung auf Frauen sollte so überflüssig sein, wie der Kommentar bei Auftritten, dass nun eine Frau, eine Satirikerin, auf der Bühne komme. Keine Frage, wir haben in der Schweiz sehr wohl tolle Frauen in der Satire: Von Patti Basler über Lisa Christ bis Rebekka Lindauer oder Uta Köbernick. Von Hazel Brugger über Lara Stoll bis zu Lisa Catena oder Stefanie Grob. Die Namensliste ist nicht abschliessend. Nur: Solange es keine Gleichstellung in der Satire gibt, gilt es, ein besonderes Augenmerk darauf zu legen.

Es ist notwendig, dass Satire – ein lange von Männern dominiertes Genre – breiter aufgestellt ist. Wichtig ist die Perspektivenvielfalt, die Vielfalt der Stimmen. Und dazu gehören angemessen viele Stimmen von Frauen. Denn: Was ist Satire? Satire kritisiert gesellschaftliche Zustände, hält uns den Spiegel vor, schonungslos. Sie ist darum einerseits eine wichtige Kulturform, andererseits ist sie auch gesellschaftlich relevant. Tim Holleman von der Universität Luzern verweist auf den Grossteil der Forschungsliteratur, die davon ausgeht, dass Satire einen positiven Effekt auf die Gesellschaft ausübe, weil Satire die Öffentlichkeit informiere oder Engagement, auch politisches, fördern könne.

Dafür braucht es Frauen und Männer. Denn das Kulturschaffen – so auch die Satire – muss ein Abbild der Gesellschaft sein. Dass die Gleichstellung in der Schweizer Kulturbranche noch nicht gegeben ist, zeigt eine entsprechende Vorstudie des Zentrums für Gender Studies an der Universität Basel. Dass bei der Satire auch Handlungsbedarf besteht, zeigt zudem der Blick über die Grenze.

Wandel ist zwar spürbar, doch es gibt Nachholbedarf

Saskia Schuster stellte beim britischen Sender ITV fest, dass sie für ihre Shows praktisch keine Skripts bekam, die auch von Frauen geschrieben waren. Darum lancierte sie «Comedy 50:50». Sie hat eine Datenbank lanciert mit Namen, und bündelt alles auf einer Website. Es gibt Schreibwettbewerbe oder ein Mentoring-Programm. Auch in der Schweiz tut sich was. Hier hat Patti Basler eine private Initiative gestartet. Mit dem Projekt Comedyfrauen soll die Position der Frauen auf den Bühnen gestärkt werden, dank Vernetzung und der besseren Auffindbarkeit von Namen. «‹Kennst du denn eine andere Kabarettistin, Moderatorin, Kolumnistin?›, werde ich gefühlt dreimal täglich gefragt. Ja. Kenne ich. Etwa 200.», schreibt Patti Basler auf der Website.

Patti Basler ist ebenfalls für gute Comedy bekannt.

Patti Basler ist ebenfalls für gute Comedy bekannt.

Alexander Wagner

Ja, der Wandel ist spürbar, aber machen wir uns nichts vor, es bleibt viel zu tun. Hier stehen auch alle Veranstalterinnen, künstlerische Leiter, alle Programmverantwortlichen in der Pflicht.

«Bei den Männern schafft es das Mittelfeld nach vorn, bei den Frauen schafft es das Mittelfeld nicht nach vorn», sagte etwa Daniela Mayer, die beim Deutschlandradio in Köln arbeitet und sich bei Satire- und Comedyformaten auskennt. Es sei eine Aufgabe, diesen Frauen zu ermöglichen, es auch auf die Bühne zu schaffen. Damit diese irgendwann auch die grossen Säle füllen. Es ist also ein Prozess. Gut ist, dass auch hier Social Media ein Ermächtigungsinstrument ist. Verschiedene Satirikerinnen sind auf Social Media unterwegs, machen sich so zusätzlich sichtbar.

Für beide Geschlechter braucht es gleich viel Platz auf der Bühne

Doch damit nicht genug. Auch wir stehen als Medienhaus, das Öffentlichkeit schafft, in der Pflicht. Denn mit den Auftritten von Satirikerinnen vor breitem Publikum werden Vorbilder geschaffen. Wir konnten den Frauen-Anteil in unseren Satire- und Comedysendungen in den letzten Jahren zwar steigern, aber wir sind uns bewusst, dass Aufholbedarf besteht. Bei der Moderation neuer Formate oder beim Nachwuchs setzen wir gezielter auf Frauen. Wir wollen Frauen Mut machen, das uralte Klischee und falsche Bild, sie seien nicht lustig, endgültig aus der Welt zu schaffen.

Klar ist: Es braucht beides. Gute Satiriker und gute Satirikerinnen. Aber es braucht für beide gleich viel Platz auf der Bühne, in TV- und Radiosendungen und im Netz. So: Das war jetzt keine lustig-heitere Kolumne, aber manchmal ist es auch besser, ein Thema einfach ernst zu nehmen.

Aktuelle Nachrichten