Kommentar
Absurde Welt der Schweizer Uhren

Eine staatliche Behörde belegt ein privates Unternehmen mit einem vorübergehenden Lieferverbot. Das klingt absurd. Es ist aber nur folgerichtig in der absurden Welt der Schweizer Uhren.

Niklaus Vontobel
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Niklaus Vontobel

Niklaus Vontobel

In den 1920er-Jahren begann sich die Branche in einer Art von Kartell zu organisieren. Der Bund schritt nicht ein. Er legalisiert die informellen Abmachungen mit dem Uhrenstatut. Wer Personal einstellt, braucht eine Bewilligung.

Aus ihrer grossen Krise findet die Industrie zwar dank dem Spieltrieb zweier Ingenieure. Die Plastikuhr Swatch erfinden sie in der Not. Als Produkt für eine sündhaft teure Maschine, die sie am Dienstweg vorbei bestellt hatten. Es ist ein schrulliges Beispiel für private Initiative. Zugleich orchestrieren Banken und Bund jedoch die Megafusion zum Vorgänger der heutigen Swatch Group. Bei der Konzerntochter ETA entsteht in der Herstellung mechanischer Uhrwerke ein Monopol.

Für derlei Zustände haben die Ökonomen die Theorie vom zweitbesten erfunden. Hat sich ein Markt erst entfernt von echtem Wettbewerb, also vom besten Zustand, spielen in dieser zweitbesten Welt andere Mechanismen. Dann kann noch ein staatlicher Eingriff den Wettbewerb verbessern. So erklären sich Kuriositäten wie ein Lieferstopp zumindest halbwegs. Oder die Kuriosität, die vor dem Lieferstopp war: Die Swatch Group verpflichtete sich in Bundesbern, ihre Lieferungen von mechanischen Uhrwerke zu reduzieren.