Der Frust bei den Basler Tambouren und Pfeifern sitzt tief. Und das ausgerechnet wegen des Festumzugs fürs Zürcher Sechseläuten. Da meldeten sie sich nämlich extra für die Teilnahme im Vereinigten Zunftspiel beziehungsweise in den Vereinigten Fasnachtscliquen an – und dann hagelte es Absage um Absage.

Und das nicht etwa, weil Basel eine zu kümmerliche Delegation ans Sechseläuten entsenden würde. Ganz im Gegenteil: «Ja, wir sprengen jetzt schon den Rahmen – und das deutlich», sagt Sabine Horvath, Leiterin des Basler Standortmarketings und Verantwortliche für den Basler Auftritt am Sechseläuten. Normalerweise würden 200 bis 250 Teilnehmende eines Gastkantons berücksichtigt. Basel-Stadt bringt mit seiner Gewalts-Entourage insgesamt sogar rund 470 Menschen an die Limmat. Eine der grössten Delegationen überhaupt.

Das Interesse der Basler an einer Teilnahme sei entsprechend enorm gewesen. «Alle mitzunehmen, das wäre nie gegangen», so Horvath, zumal Basel die Limite bis ans Maximum ausreize. Denn Punkt 18 Uhr müssen alle Teilnehmer auf dem Sechseläuten-Platz versammelt sein. Das ergibt automatisch eine begrenzte Teilnehmerzahl, da der Tross sonst schlicht zu lange hat, um sich ordnungsgemäss einzufinden. Und Ordnung hat, im Gegensatz zur Basler Fasnacht, während des gesamten Sechseläutens oberste Priorität.

Absagen statt volle Wucht

Die Auswahl der Beteiligten lag aber nicht allein beim Standortmarketing. Eingespannt wurden auch das Basler Fasnachts-Comité für die Zusammenstellung der Vereinigten Fasnachtscliquen und die Basler Zünfte für die Zusammenstellung des Vereinigten Zunftspieles. Schliesslich ergibt sich die Teilnahme als Gastkanton am Sechseläuten nur alle 25 Jahre. «Insgesamt gab es sicher vier bis fünf Mal so viele Interessierte, wie wir freie Plätze zu bieten hätten», sagt Horvath.

Sechseläuten-Quiz 2018

Das konkretisiert Lorenz Cairoli, Vorsitzender Meister der Basler Zünfte: «Wir wurden von Anmeldungen förmlich überrumpelt.» Als die Basler Zünfte ihre Zunftspiele anschrieben, dachten die Verantwortlichen schon, dass sich ein paar Interessierte melden würden. «Am Schluss hatten wir rund 200 Anmeldungen und freuten uns, dass wir mit voller Wucht in Zürich auftreten würden», so Cairoli. Ausgebremst wurden sie dann vom Organisationskomitee: 200 seien zu viele – so gross sei sonst eine komplette Gastkantons-Delegation. Also wurde reduziert. Auf 20 Tambouren, 30 Pfeifer und einen Tambourmajoren. Die restlichen drei Viertel der Angemeldeten erhielten alle eine Absage. Ähnliches spielte sich auf der Basler Fasnachts-Seite ab. «So mussten wir leider einige enttäuschen», sagt Cairoli.

Kommt hinzu, dass auch die Zürcher Zünfte Gäste einladen können. Davon profitiert etwa das Spiel der Basler Webern-Zunft, die separat von einer Zürcher Zunft eingeladen wurde. Sie laufen daher aus Sicht des Gastkantons Basel-Stadt ausser Kategorie. Davon profitieren noch weitere Basler Einheiten. Einen Überblick darüber habe das Organisationskomitee um Standortvermarkterin Sabine Horvath allerdings nicht, wie sie sagt, schliesslich gehören all jene auch nicht dem offiziellen Basler Tross an. Das Festprogramm des Zürcher Sechseläutens dauert vom Freitag bis am Montag. Der Gastauftritt von Basel-Stadt umfasst nicht nur die Teilnahme am Umzug zum Feuer vom Montag – mit Piccolos, Trommeln und dem Klamauk von Jean Tinguely –, sondern auch die Bespielung des Festbetriebs auf dem Lindenhof. Dort wird auch alles ein bisschen fasnächtlich: Nicht nur können sich Zürcher eine erste Lektion in von der Unesco ratifizierten Fasnachtssachen einverleiben, auch werden sie Zeugen der Entstehung einer veritablen Fasnachtslaterne.