Gesundheitspolitik

Weil zu teuer: Der Stadtrat von Affoltern am Albis gibt sein Spital auf

Für die Gemeinden zu teuer: Sie wollen das Spital Affoltern schliessen. (Symbolbild)

Für die Gemeinden zu teuer: Sie wollen das Spital Affoltern schliessen. (Symbolbild)

Das Spital Affoltern steht vor dem Aus. Der Stadtrat von Affoltern am Albis sieht keine Perspektiven für das einzige Spital im Säuliamt. Er empfiehlt deshalb am 19. Mai die Ja-Parole zum Austritt aus dem Zweckverband.

Das Spital Affoltern am Albis steckt schon jahrelang in einer Krise. Mit seiner am Dienstag veröffentlichten Abstimmungsempfehlung hat der Stadtrat von Affoltern den Rettungsplänen für das Spital im Säuliamt nun eine Abfuhr erteilt. Vorgesehen wäre, das Spital in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft im Besitz der beteiligten Gemeinden umzuwandeln.

Die Stimmberechtigten entscheiden am 19. Mai über die Auflösung des Zweckverbandes Spital Affoltern. Gleichzeitig wird über die Gründung einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft entschieden, die das Spital weiter betreiben und einen Neubau planen soll. Zudem wird über die Gründung einer Interkommunalen Anstalt Pflegezentrum Sonnenberg abgestimmt.

Der Stadtrat von Affoltern empfiehlt den Stimmberechtigten nun, der Auflösung des Zweckverbandes zwar zuzustimmen, doch die beiden anderen Vorlagen abzulehnen. Falls die Stimmberechtigten dies so beschliessen, dürfte das Schicksal des einzigen Spitals im Knonauer Amt besiegelt sein. Ein Weiterbetrieb ohne Beteiligung der Standortgemeinde ist nicht realistisch.

Für die Auflösung des Verbands braucht es die Zustimmung aller Mitgliedsgemeinden. Hedingen und Bonstetten haben bereits im März 2018 den Austritt aus dem Verband beschlossen.

Weiterbetrieb wäre teuer

«Wir haben rückläufige Belegungszahlen, ein Defizit im Akutbereich und eine veraltete Infrastruktur mit hohem Investitionsbedarf», sagt Affolterns Stadtpräsident Clemens Grötsch (parteilos). Als grösste Gemeinde im Zweckverband müsste die Stadt auch künftig das grösste Risiko tragen. Das will der Stadtrat nicht mehr. «Ein Weiterbetrieb würde so viel Geld verschlingen, dass wir das nicht verantworten könnten. Wir müssten im Budget Abstriche in anderen Bereichen machen und wahrscheinlich auch die Steuern erhöhen.»

Seinen Entscheid begründet der Stadtrat mit den veränderten Rahmenbedingungen für Regionalspitäler, konkret den neuen Fallpauschalen und den Mindest-Fallzahlen. Ein Problem ist laut Grötsch auch der Trend, immer mehr Behandlungen ambulant statt stationär durchzuführen. «Es gibt im Kanton Zürich kaum ein Spital, das in diesem Bereich kostendeckend arbeitet. Das ermuntert natürlich nicht zu neuen Investitionen.» Bleibe die heutige Rechtsform bestehen, werde das Spital ab 2022 wohl auch nicht mehr auf der kantonalen Spitalliste geführt.

Wie eine Sprecherin der Gesundheitsdirektion auf Anfrage mitteilte, werden die Grundlagen für die Spitalliste 2022 derzeit erst erarbeitet. Es sei aber nicht auszuschliessen, dass einzelne Spitäler bei der Vergabe von Leistungsaufträgen nicht mehr berücksichtigt würden. Die Spitäler würden mit Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Qualität evaluiert werden. Diesen Regeln müsste sich auch das Spital Affoltern stellen.

700 Mitarbeitende betroffen

Von der Schliessung des Spitals betroffen wären rund 700 Angestellte. Die Spitalleitung hat erst gestern Morgen vom Entscheid des Stadtrates erfahren. Spitaldirektor Michael Buik sprach gegenüber dem «SRF Regionaljournal Zürich Schaffhausen» von einem «Schlag in die Magengrube». Er hoffe, dass die Bevölkerung gegen die Empfehlung der Regierung abstimmen werde.

«Der Stadtrat ist sich der sozialen Verantwortung für die Mitarbeiter bewusst», sagt Grötsch. Man sei aber zuversichtlich, dass die Angestellten aufgrund des Personalmangels im Gesundheitsbereich rasch neue Stellen finden würden. Der Stadtrat sei zudem bereit, sich zusammen mit anderen Gemeinden an einem Solidaritätsfonds beteiligen.

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