Spitzenmedizin

Vorwürfe von Operationsbericht-Beschönigungen: Herzchirurg verlässt Unispital

Ist nicht länger Leiter der Herzchirurgie: Francesco Maisano. (Archivbild)

Ist nicht länger Leiter der Herzchirurgie: Francesco Maisano. (Archivbild)

Der derzeit beurlaubte Leiter der Klinik für Herzchirurgie wird nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückkehren.

Das Universitätsspital Zürich wagt den Neustart. Obschon die Untersuchung gegen den derzeit beurlaubten Leiter der Herzchirurgie, Francesco Maisano, noch nicht abgeschlossen ist, wird er nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Das gab das Unispital gestern bekannt. Auch der Whistleblower, der die Angelegenheit ins Rollen brachte, wird das Spital verlassen.

Mit diesen Schritten soll in der Klinik für Herzchirurgie endlich wieder Ruhe einkehren. Dies, nachdem sie in den vergangenen Monaten wiederholt im medialen Fokus stand. Denn Klinikdirektor Maisano wird unter anderem vorgeworfen, Operationsberichte geschönt zu haben. Zudem soll er bei Operationen Implantate von Firmen eingesetzt haben, an denen er selbst beteiligt war – ohne dies transparent zu machen. Publik machte die Vorwürfe Ende Mai der «Tages-Anzeiger».

Nun kommt es also zur Trennung zwischen dem Unispital und Maisano sowie dem Leitenden Arzt, der die Vorwürfe gegen den Klinikdirektor erhoben hatte. Für den Whistleblower ist es bereits das zweite Mal innert kurzer Zeit, dass er das Unispital verlässt. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Maisano wurde er entlassen, kurz darauf wurde er aber wieder eingestellt. Aus Sicht der Spitaldirektion und des Spitalrats ist eine Zusammenarbeit der beiden Ärzte aber nicht mehr vorstellbar. «Die Gegenwart respektive die erwartete Rückkehr der Exponenten dieses Konflikts haben in den vergangenen Wochen zu einer Spaltung des Teams geführt. Dieser Zustand ist nicht länger tragbar», heisst es in der Mitteilung von gestern. Spitaldirektion und Spitalrat hätten daher entschieden, dass sich die Wege nun trennen müssen. Nur so könne die nötige Ruhe einkehren.

Noch keine Lösung für Whistleblower

Laut Unispital konnte mit Maisano inzwischen eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Mit dem Leitenden Arzt sei das bisher nicht gelungen. Die Art der Trennung sei zurzeit offen. Klar ist hingegen, dass Paul R. Vogt definitiv die Leitung der Klinik für Herzchirurgie gemeinsam mit Peter Matt als seinem Stellvertreter übernehmen wird. Zudem soll in den nächsten Wochen eine externe und anonyme Whistleblowerplattform eingeführt werden. Auch das bestehende Transparenz-Register soll noch diesen Herbst ausgebaut werden.

Ausgestanden ist die ganze Affäre trotz dieses Neustarts aber noch lange nicht. Denn mittlerweile sind verschiedene Strafanzeigen hängig, etwa gegen Maisano und auch den vom Zürcher alt Stadtrat Martin Waser geführten Spitalrat.

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