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SBB will Kapazität auf S-Bahn-Netz verdoppeln und plant Abstellgleise neben einem Naturdenkmal

Die SBB planen bei Eglisau eine Abstellanlage für S-Bahnen, die so gross wie sechs Fussballfelder ist.

Fabian Boller
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Entlang der Linie nach Bülach sind in Eglisau mehrere Abstellgleise für S-Bahn-Züge geplant.

Entlang der Linie nach Bülach sind in Eglisau mehrere Abstellgleise für S-Bahn-Züge geplant.

Francisco Carrascosa

Die SBB haben Grosses vor im Kanton Zürich. Ab 2030 läuft das Projekt S-Bahn 2G an, welches eine Verdoppelung der Kapazität auf dem Netz der S-Bahn vorsieht. Mehr Züge, mehr Viertelstundentakt, weniger Wartezeiten und bessere Anschlüsse soll es geben. Auch das Unterland wird davon profitieren, insbesondere auf der Achse Zürich–Bülach–Schaffhausen wird es bessere Verbindungen geben.

Um diese Taktverdichtungen und neuen Linien anbieten zu können, brauchen die SBB neue Züge. Ein Problem bringen die neuen Kompositionen mit sich: Es braucht zusätzliche Abstellgleise. Die SBB planen deshalb an drei Standorten im Kanton neue Abstellanlagen für die S-Bahn: in Bubikon, Hombrechtikon und Eglisau. Diese wurden Anfang Woche im Rahmen der öffentlichen Auflage der kantonalen Richtplanrevision 2020 bekannt.

In der Unterländer Gemeinde sollen die Abstellgleise entlang der Linie nach Bülach entstehen, kurz vor der Orts­einfahrt nach Eglisau in der Landwirtschaftszone. Birchstud heisst dieses Gebiet. Geplant sind je zwei 500 Meter lange Abstellgleise links und rechts des bestehenden Trassees und ein 100 Meter langes Stumpengleis auf der Seite zur Zürcherstrasse hin. Insgesamt wird eine Fläche von rund 42500 Quadratmetern benötigt – das entspricht etwa sechs Fussballfeldern.

«Wir haben das Vorhaben der SBB im Gemeinderat noch nicht thematisiert», sagt Eglisaus Gemeindepräsident Peter Bär. Er gehe selber aber nicht davon aus, dass es durch die Anlage grosse Emissionen geben werde.

Abstellanlage soll neben Naturdenkmal liegen

Das Land westlich der geplanten Gleise zählt zum Hochrhein-Gebiet und ist im «Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung» verzeichnet. Die Abstellanlage selbst kommt aber nicht im geschützten Perimeter zu liegen.

Die landschaftliche Beeinträchtigung durch die geplanten Abstellgleise wird vom Kanton Zürich als untergeordnet angesehen. «Im Rahmen der weiteren Bearbeitung ist jedoch auf eine gute landschaftliche Einordnung der Bauten und Anlagen zu achten. Dies ist durch eine landschaftsarchitektonische Begleitplanung sicherzustellen», heisst es von Seiten der Baudirektion.

Eine weitere Schwierigkeit gilt es, bei der Zufahrt zur Anlage im Süden zu meistern. Diese tangiert den Randbereich des Trockenstandortes und der Heckenlandschaft Eglisgrund. Es handelt sich dabei um ein Naturschutzobjekt von regionaler Bedeutung. Weitere wertvolle Trockenstandorte befinden sich in unmittelbarer Nähe der geplanten Anlage. «Im Rahmen der weiteren Planung und Projektierung der Anlage ist sicherzustellen, dass die angrenzenden Trockenstandorte nicht beeinträchtigt werden und deren Vernetzung erhalten bleibt», lässt der Kanton verlauten.

Kriterien für die Wahl der Standorte waren laut den SBB unter anderem deren Erreichbarkeit, die Enden der künftigen S-Bahn-Linien, die Möglichkeit zur Trennung und Vereinigung von Fahrzeugen sowie Umweltaspekte. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien fiel die Wahl auf Eglisau.

Realisierung erst in 20 Jahren

Der Regierungsrat hat den Standort nun in den kantonalen Richtplan aufgenommen – mit dem Planungshorizont «langfristig». Gemäss den SBB würde die Anlage erst in der zweiten Etappe der S-Bahn 2G realisiert, also in den Jahren 2040 bis 2045. Für das Jahr 2028 ist das Durchführen einer Machbarkeitsstudie geplant. Dann wird auch klar, ob zusätzlich zu den Gleisen Hochbauten oder Dächer vorgesehen sind.

Zunächst läuft in den nächsten 60 Tagen aber noch die Vernehmlassung zur Richtplanrevision. Danach wird der Richtplan angepasst und muss anschliessend vom Kantonsrat genehmigt werden.