Wahlen 2015

Roger Köppel über Mörgeli: «Er hat nichts falsch gemacht»

Roger Köppel beantwortet Fragen der Journalisten bei der Ankunft zur Wahlfeier im Restaurant Rössli in Ilnau-Effretikon. KEYSTONE

Roger Köppel beantwortet Fragen der Journalisten bei der Ankunft zur Wahlfeier im Restaurant Rössli in Ilnau-Effretikon. KEYSTONE

Neo-Nationalrat Roger Köppel zu seinen politischen Plänen als frisch gewählter Parlamentarier.

Wie haben Sie den Montag nach der Wahl verbracht? Was war anders als sonst?

Roger Köppel: Ich habe gearbeitet. Es gab mehr Interview-Anfragen als sonst. Ich bin meinen Wählern sehr dankbar und habe einen grossen Respekt vor diesem Rekordergebnis. Damit ist ein grosser Auftrag verbunden. Der Rucksack ist schwer.

Wie erklären Sie sich Ihr Resultat?

Ich bin sicher bekannt als journalistischer Kämpfer für die Schweiz, auch im Ausland. Meine unternehmerische Unabhängigkeit ist ein Trumpf. Dann identifiziere ich mich voll mit dem SVP-Programm und habe einen engagierten Wahlkampf vor allem zum Thema Asyl, Volksrechte und Europa geführt. Das alles trug wahrscheinlich zum guten Ergebnis bei.

Sie sind über Nacht eine Art Polit-Star geworden. Für die einen eine Hassfigur, für die anderen ein Star. Wie gehen Sie mit dieser Ambivalenz um?

Am Boden bleiben. Man ist nie so gut, wie man hinaufgeschrieben wird und nie so schlecht, wie man hinuntergeschrieben wird. Am Boden bleiben heisst, die politische Arbeit machen, für die man gewählt worden ist. Dabei geht es nicht um Personen, sondern um die Sache.

Roger Köppel: «Es ist eine Riesen-Verpflichtung»

Roger Köppel: «Es ist eine Riesen-Verpflichtung»

Die Idee ist aufgeworfen worden, Sie als Ständeratskandidat anstelle von Hans-Ueli Vogt ins Rennen zu schicken. Sie haben sie verworfen. Warum?

Es ist kein Thema. Ich habe mich als Nationalrat beworben, nicht als Ständerat. Das ist anspruchsvoll genug.

Das war also eine Schnaps-Idee von Natalie Rickli?

Das kann ich nicht beurteilen.

Sind Sie von der SVP denn schon angefragt worden?

Nein. Für mich war von Anfang an klar, dass ich mich für den Nationalrat und nicht für den Ständerat zur Verfügung stelle.

Was halten Sie davon, Natalie Rickli gegen Vogt auszuwechseln? Sie könnte den Frauenbonus ausspielen?

Mich beschäftigt eher die Frage, wie die SVP jetzt ihren Erdrutschsieg in Bern umsetzt. Es gibt grosse Missstände. Wir müssen den heimlichen EU-Beitritt stoppen, die Zuwanderung begrenzen und die Unordnung im Asylbereich aufräumen. Dazu braucht es eine gute Zusammenarbeit mit anderen bürgerlichen Parteien.

Was denken Sie zur Ausgangslage im zweiten Wahlgang: Lohnt es sich für die SVP, mit Vogt nochmals zum zweiten Wahlgang anzutreten?

Das müssen Sie mit der Parteileitung besprechen. Ich will mich nicht zu allem und jedem äussern. Wenn das Haus brennt, redet man nicht über die neue Kücheneinrichtung.

Dann lassen Sie uns über die Abwahl von Christoph Mörgeli sprechen, die Sie bedauert haben. Was denken Sie, was hat die Wähler zu dieser Abwahl veranlasst?

Ich kann mir das nicht erklären und wiederhole: Ich finde es sehr schade, denn ich schätze ihn sehr. Er gehört zu den besten Kolumnisten deutscher Sprache und ist ein herausragender intellektueller Kopf. Die verwerfliche Kampagne der Uni gegen Mörgeli hat anscheinend Früchte getragen. Das ist ein herber Verlust für die Fraktion.

Grosse Erwartungen an Köppel

Grosse Erwartungen an Köppel

Welche Fehler sehen Sie bei Mörgeli selber?

Keine.

Werfen wir einen Blick auf die neue Zusammensetzung der Zürcher SVP-Delegation im Nationalrat: Die alten Schlachtrösser sind weg: Banker, Intellektuelle, Professoren und Anwälte prägen das Bild, Bauern fehlen ganz. Geht da nicht die Bodenhaftung verloren?

Die SVP ist die Partei mit der grössten Bodenhaftung und dem grössten Wirklichkeitsbezug, auch weil sie sich konsequent für die direkte Demokratie einsetzt. Ich sehe da keine Defizite. Die Gewählten, die ich kenne, stehen mit beiden Beinen im Leben und auf dem Boden.

Welche Rolle sehen Sie für sich innerhalb der SVP-Fraktion in Bern?

Ich denke nicht über meine Rolle nach, ich sehe die Aufgaben: Wir haben eine industriefeindliche «Energiewende». Wir haben gravierende Missstände im Asylbereich. Der Bundesrat will die Schweiz europäischem Recht und europäischen Richtern unterwerfen. Und der SVP wird der längst zustehende zweite Bundesratssitz verweigert – zum Schaden der Schweiz. Um diese falsche Politik zu drehen, hat die SVP ihr Mandat erhalten. Jetzt müssen wir an die Arbeit. Die Wähler wollen Resultate sehen.

Sie sind Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche»: Was halten Sie von Tim Guldimanns Befürchtung, mit Ihnen komme es zu einer Berlusconisierung in Bern: Medienmacht kombiniert mit politischer Macht.

Muss ich das kommentieren? Persönliche Angriffe sind oft Ausdruck mangelnder Argumente. Herr Guldimann will den EU-Beitritt, ich nicht. Das ist das Thema.

Welche Veränderung stehen bei Ihnen beruflich an: Bleiben Sie Chefredaktor und Verleger der «Weltwoche» oder gibt es da eine neue Arbeitsteilung?

Ich bleibe Verleger und Chefredaktor. Wir haben ein Milizsystem, da darf es keinen Gegensatz zwischen beruflicher Tätigkeit und Politik geben, sonst gäbe es ja kein Milizsystem mehr. Das Wahlresultat ist auch eine Anerkennung der «Weltwoche» und ganz generell für den Berufsstand des Journalisten. Die Leute finden es gut, wenn sich ein Journalist wieder selber ins Getümmel stürzt, wie das früher oft der Fall war. Man soll mir dabei kritisch auf die Finger schauen.

Würden Sie bestreiten, dass die «Weltwoche» – da sie nun SVP-Nationalrat sind – nun endgültig ein Parteiorgan der SVP geworden ist?

Das ist Unsinn. Parteiorgane gehören Parteien und werden von Parteien kontrolliert. Die «Weltwoche» gehört mir. Sie hat eine bürgerlich-liberale Ausrichtung, ist aber auch offen für andere Meinungen. Ich stehe zu den zentralen Positionen der SVP, aber das hindert mich oder meine Redaktion doch nicht, die SVP auch kritisch zu beleuchten. Das ist ja auch schon ungezählte Male geschehen. Es spricht für Toni Brunner, für Alfred Heer und für die SVP, dass sie diese kritische Rolle begrüssen. Wir haben uns darüber vor meinem Parteieintritt verständigt.

SVP-kritische Artikel werden Sie selber aber kaum mehr schreiben können, weil es Kollegenschelte und Nestbeschmutzerei wäre.

Warten Sie ab. Und bleiben Sie kritisch.

Sie sehen offenbar überhaupt kein Glaubwürdigkeitsproblem in Ihrer Mehrfachrolle als Journalist, Verleger und SVP-Parteipolitiker.

Nein, ich sehe keine Konflikte. Es wäre schlimm, wenn man sich menschlich und charakterlich verbiegen müsste beim Eintritt in die Politik. Vielleicht ist die Doppelrolle ein Charaktertest, aber das Gute ist ja, dass bei mir alles transparent ist. Jeder kann die Weltwoche lesen und sich selber eine Meinung bilden.

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