Koch-Areal
Programm zum Architekturwettbewerb: Die FDP kritisiert das "Vorpreschen" der Stadt

Ab heute können Architekten Vorschläge einreichen, wie anstelle der besetzen Büro- und Industriebauten Wohnungen, Gewerberaum und ein Park entstehen sollen. Am 10. Juni entscheidet das Stadtzürcher Stimmvolk über das Koch-Areal.

Matthias Scharrer
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Auf dem 30'000 Quadratmeter grossen Koch-Areal sollen gemäss Plänen des Zürcher Stadtrats 350 günstige Wohnungen, ein Gewerbehaus und ein Park entstehen.

Auf dem 30'000 Quadratmeter grossen Koch-Areal sollen gemäss Plänen des Zürcher Stadtrats 350 günstige Wohnungen, ein Gewerbehaus und ein Park entstehen.

Keystone

Schon im Vorfeld sorgte die Medienkonferenz des Zürcher Stadtrats zur Zukunft des besetzten Koch-Areals für Protest: Die FDP des Stadtkreises 9, in dem das Areal liegt, kritisierte das «Vorpreschen des Stadtrats» als «unangemessenen Eingriff in den Abstimmungskampf.» Weiter schrieb die Quartier-FDP in ihrer Mitteilung: «Bereits jetzt den Architekturwettbewerb einzuleiten, reizt den Rahmen des Zulässigen in bedenklicher Weise aus.» Auch eine kürzlich eingereichte Anfrage der Gemeinderatsfraktionen von FDP, SVP und CVP stellt kritische Fragen zum stadträtlichen Vorgehen.

Dennoch präsentierten die federführenden Stadträte Daniel Leupi (Grüne), André Odermatt (SP) und Filippo Leutenegger (FDP) am Donnerstag das Projekt, über das die Stadtzürcher Stimmberechtigten am 10. Juni entscheiden. Leupi betonte, die Vorbereitungen würden sofort gestoppt, falls das Volk die stadträtliche Vorlage ablehnen oder die von der FDP lancierte Volksinitiative bevorzugen sollte. Gleichzeitig gab sich der Finanzvorsteher zuversichtlich: «Das Volk hat in den letzten Jahren immer unsere Wohnbaupolitik unterstützt.»

Die Eckwerte des stadträtlichen Vorhabens waren schon bekannt. Ab heute können Architekten Vorschläge einreichen, wie sie umzusetzen sind. Nach einer Vorauswahl entscheiden Vertreter der Stadt und der Bauherrschaft in einem Wettbewerb, welche Architekturbüros bei der Umsetzung zum Zug kommen, wie Odermatt erklärte. Im Frühsommer 2019 sollen die Siegerteams der Architekturwettbewerbe feststehen. 2023, also zehn Jahre nach dem Landkauf durch die Stadt, würden gemäss dem stadträtlichen Fahrplan die ersten Mieter einziehen.

4,5 Zimmer für 1500 Franken

Als Bauherren und Investoren hat die Stadt letzten Herbst die Genossenschaften ABZ und Kraftwerk 1 ausgewählt. Sie wären für 300 der geplanten 350 gemeinnützigen Wohnungen zuständig. Ein Drittel der Wohnungen auf dem Koch-Areal wären subventioniert, davon würden 50 durch die städtische Stiftung für kinderreiche Familien angeboten. Zudem sind ein Gewerbehaus und ein Park vorgesehen.

Die geplanten Wohnungen reichen vom 1-Zimmer-Studio bis zur 13-Zimmer-Wohngemeinschaft. Allen gemeinsam ist, dass sie die Wohnflächen-Beschränkungen, wie sie im subventionierten Wohnungsbau gelten, nicht überschreiten, wie ABZ-Präsidentin Nathanea Elte auf Anfrage sagte. Aufgrund der relativ kleinen Wohnungsflächen und günstiger Ausbaustandards würde eine 4,5-Zimmer-Genossenschaftswohnung mit rund 100 Quadratmetern auf dem Koch-Areal dereinst monatlich 1500 Franken kosten. Die Mieten der subventionierten Wohnungen lägen etwas tiefer, sagte Leupi – ohne sich auf eine Zahl festzulegen.

Quartiervertreter miteinbezogen

Die Stadt hatte das damals bereits besetzte Koch-Areal im Jahr 2013 der Grossbank UBS für 70 Millionen Franken abgekauft. Das Volk stimmt nun über eine Übertragung von 35,1 Millionen Franken vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen ab. Erst dadurch würde die genossenschaftliche Überbauung möglich, betonte Leupi. Gleichzeitig entscheidet das Volk über einen Kredit von 6,9 Millionen Franken für die weiteren Projektierungsarbeiten bis zur Übergabe an die Bauherren. Die Genossenschaften würden der Stadt einen Baurechtszins von 500'000 Franken pro Jahr bezahlen.

Für den Park müsste die Stadt 23 Millionen Franken des Landwerts abschreiben. Er soll nicht nur den Arealbewohnern, sondern dem ganzen Quartier als Erholungsraum dienen, wie Leutenegger betonte. In die Planung des Parks werden bereits jetzt diverse Quartiervertreter einbezogen. Am 12. Juni will Leutenegger erste Ergebnisse dieses Prozesses präsentieren.

Doch davor kommt noch die Abstimmung vom 10. Juni. Und dabei konkurrenziert die FDP das stadträtliche Projekt mit einer Volksinitiative. Sie regt an, dass die Stadt das Koch-Areal in einem Bieterverfahren an Private verkauft, die dort Wohnungen erstellen. Ein Drittel davon sollen gemeinnützige Wohnungen sein. Auch ein Park ist vorgesehen. Der Stadtrat lehnt die FDP-Initiative ab. «Durch das Bieterverfahren lassen sich keine preisgünstigen Wohnungen erstellen», sagte Leupi. Sollte das Stimmvolk sowohl die stadträtliche Vorlage als auch die FDP-Initiative annehmen, würde Letztere umgesetzt.

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