Stadtratswahlen
Politexperte Hermann: «Der GLP geht es ähnlich wie der SVP»

Die Grünliberalen haben bei den Zürcher Stadtratswahlen kläglich versagt. Laut Politgeograf Michael Hermann hat die bisher stets erfolgreiche GLP auch künftig kaum Chancen auf einen Sitz. «Die Partei wird von allen gemieden», sagt Hermann.

Anna Wepfer
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GLP hat es für Polit-Experte Michael Hermann bei Exekutiv-Wahlen extrem schwer.

GLP hat es für Polit-Experte Michael Hermann bei Exekutiv-Wahlen extrem schwer.

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Viele trauten der GLP am vergangenen Wochenende einen Exploit zu, stattdessen ist Kandidat Daniel Hodel sang- und klanglos in der Versenkung verschwunden. Warum?
Michael Hermann: Man hat der GLP nur am Anfang viel zugetraut, als die FDP mit der umstrittenen Nomination von Marco Camin einen Fehlstart hinlegte. Im Laufe des Wahlkampfs hat sich aber immer klarer abgezeichnet, dass Daniel Hodel schlecht abschneiden wird und die Wahl auf ein Duell zwischen bürgerlich und ganz links hinausläuft - mit Beteiligung der AL aber ohne die GLP.

Hat die Partei mit dem unbekannten Kantonsrat Hodel von Anfang an auf das falsche Pferd gesetzt?
Ja, Hodel war sicher nicht der richtige Kandidat, denn er wird sehr stark mit der Kantonsratsfraktion der GLP in Verbindung gebracht. Diese politisiert gerade in Finanzfragen deutlich weiter rechts als die Stadtzürcher Grünliberalen. Damit hatte er wenig Chancen, im rot-grünen Zürich die nötige Unterstützung zu finden. Zudem hat Hodel wenig taktisches Gespür gezeigt. Er ist wie viele GLPler ein sachorientierter Technokrat, dem aber das Flair für die politische Kommunikation etwas fehlt.

Wäre die Partei mit ihrem anderen Kandidaten, dem Zürcher Gemeinderat Samuel Dubno, besser gefahren?
Dubno ist in der Stadt wohl besser vernetzt als Hodel. Mit seiner eigenwilligen, knorrigen Persönlichkeit hätte er es aber nicht leicht gehabt und den Sieg ziemlich sicher auch nicht geschafft.

Die GLP hatte Anlaufschwierigkeiten, erst im Dezember nominierte sie ihren Kandidaten. War da der Zug schon abgefahren?
Nein, die AL hat mit Richard Wolff das Gegenteil bewiesen: Auch ein kurzer, intensiver Wahlkampf mit kleinem Budget kann durchaus eine grosse Wirkung erzielen. Hodel ist das nicht gelungen. Allerdings ist er daran nicht alleine Schuld.

Hat sich seine Partei schlecht verkauft?
Hodel ist mit seiner Niederlage nicht allein. Mehrere Beispiele in der Schweiz haben gezeigt, dass die GLP bei Exekutivwahlen grundsätzlich ein Problem hat. Sie schafft es nicht, bei den anderen Parteien Leihstimmen zu holen. Hodel ist abgesehen von seiner eigenen ja auch von keiner Partei unterstützt worden.

Was ist der Grund?
Die GLP ist bei der Konkurrenz unbeliebt, weil sie als neue Erfolgspartei überall Wählerinnen und Wähler abwirbt. Bei den Linken, die Hodel unbedingt gebraucht hätte, gilt die GLP immer noch als Verräterpartei, die damals die Grünen gespaltet und ihnen damit Stimmen weggenommen hat.

Es geht also um Futterneid?
Nicht nur. Hinzu kommt, dass GLP-Politiker für die Pole kaum wählbar sind. Den Linken sind sie in Finanzfragen zu weit rechts, für die SVP und die FDP kommen sie wegen ihrer fast schon ideologischen grünen Positionen auch nicht in Frage. Die Grünliberalen sind zu einer Partei geworden, die sich gegen alle Seiten abgrenzt beziehungsweise von allen Seiten gemieden wird.

Andere Mitteparteien haben dieses Problem nicht.
Die GLP ist eben keine typische Mittepartei, die zwischen den Extremen vermittelt. Vielmehr vertritt sie selbst extreme Positionen - sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite. Für Majorzwahlen, die ohne die Hilfe anderer Parteien nicht zu schaffen sind, ist das eine schlechte Voraussetzung. Der GLP wird es ähnlich ergehen wie der SVP: Sie ist zwar erfolgreich in Parlamentswahlen, hat es aber schwer, ihre Leute in Exekutivämter zu bringen. Denn wie die SVP kann auch sie über die eigenen Parteigrenzen hinaus schlecht mobilisieren.

Wie stehen die Chancen der GLP bei den Gesamterneuerungswahlen des Stadtrats im kommenden Jahr?
Eine Chance hat höchstens ein Kandidat, der sich über die Parteilinie hinaus ein Profil erarbeitet. Das hat letztes Jahr Michael Zeugin in Winterthur recht gut gemacht. Dennoch wurde er nicht gewählt. Das zeigt:
Es wird auch 2014 sehr schwierig für die GLP.

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