Steuern
Man kann die Steuerdaten jetzt komplett digital einreichen – der Weg über Papier ist aber weiter möglich

Selbst wer seine Steuerdaten in ein Onlinetool eingab, musste bisher noch Unterlagen zur Post bringen. Damit ist es nun vorbei.

Michel Wenzler
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Die meisten tun es noch von Hand: Eine Frau füllt die jährliche Steuererklärung aus. (Symbolbild)

Die meisten tun es noch von Hand: Eine Frau füllt die jährliche Steuererklärung aus. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Seit sieben Jahren können die Einwohnerinnen und Einwohner im Kanton Zürich ihre Steuererklärung online ausfüllen. Doch um eine richtige Onlinesteuererklärung handelt es sich dabei nicht wirklich. Tech-Freaks reiben sich eher verwundert die Augen darüber: Denn auch nachdem man alles digital erfasst hat, muss man am Schluss doch Papiere per Post an die Steuerbehörde schicken. Viele Leute haben deshalb darauf verzichtet, das Onlineangebot zu nutzen, da es ihnen kein wirklicher Gewinn zu sein scheint.

Der Grund für die umständlichen Abläufe sind nicht technischer, sondern rechtlicher Natur. Bis heute war es nach den gesetzlichen Vorgaben des Bundes nicht zulässig, die Steuererklärung ohne eigenhändige Unterschrift einzureichen. Steuerpflichtige mussten deshalb stets eine unterzeichnete Quittung mitschicken, um die digitalen Daten freizugeben. Und auch Unterlagen wie Bankbelege mussten auf die Post.

Auf Papier ist immer noch möglich

Das ändert sich nun in diesem Jahr, da der Bund die rechtlichen Bestimmungen anpasst. Die Steuererklärung wird damit nun tatsächlich papierlos – für alle, die dies wollen. Denn nach wie vor ist es auch möglich, die Steuererklärung von Hand auszufüllen.

Derzeit wählt etwa die Hälfte der rund eine Million Steuerzahler im Kanton diesen Weg. Nur 20 Prozent haben bisher auf die Onlinesteuererklärung gesetzt. Weitere 30 Prozent nutzten die eigens vom Kanton entwickelte Software «Private Tax», von der man Jahr für Jahr die neuste Version herunterladen konnte, um dann seine Daten offline zu erfassen und anschliessend die Steuererklärung auszudrucken.

Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) hofft, dass künftig mehr Steuerzahler auf die Onlinevariante umstellen. Man habe insbesondere jene Personen im Auge, die bisher das Programm «Private Tax» eingesetzt hätten. «Wenn wir den Anteil von Onlinesteuererklärungen erhöhen, können wir die Effizienz steigern», sagte Stocker am Dienstag an einer Medienorientierung.

Wenn wir den Anteil von Online-Steuererklärungen erhöhen, können wir die Effizienz steigern.

(Quelle: Ernst Stocker)

Denn derzeit müssen die eingeschickten Steuererklärungen in grossen Zentren eingescannt werden. Der administrative Aufwand dafür ist gross. Der Bürger soll der Verwaltung nun einen Teil der Arbeit abnehmen. Allerdings wird diese auch für ihn einfacher, da die neue Onlinesteuererklärung weniger kompliziert ist.

Das beginnt bereits beim Anmelden: Neu ist kein mehrstufiger Prozess mehr nötig. Die AHV-Nummer und ein Zugangscode, der per Post kommt, genügen. Beilagen wie den Lohnausweis können die Steuerzahler zudem nun mit dem Handy abfotografieren und hochladen.

Der Datenschutz sei genauso gewährleistet wie bisher, sagte Peter Seidler, stellvertretender Chef des kantonalen Steueramts. «Die Daten werden bei der Übermittlung verschlüsselt.» Zudem gelte weiterhin: «Nur der Steuerkommissär, der eine Person veranlagt, darf sie anschauen.»

Für Stocker ist die neue Onlinesteuererklärung «ein wichtiger Impuls für die digitale Verwaltung». Gleichzeitig fand er, es seien im Kanton Zürich unterdessen «etwas viele digitale Werkzeuge im Einsatz».

Künftig gibt es ein «Zürikonto» für jeden

In ferner Zukunft soll sich auch dies ändern. Denn dem Kanton schwebt ein sogenanntes Zürikonto vor. Über dieses Onlineprogramm sollen dereinst sämtliche Zahlungen zwischen Bürger und Kanton abgewickelt werden können – nebst Steuern beispielsweise auch individuelle Prämienverbilligungen für die Krankenkasse. Es geht also um Geldflüsse in beide Richtungen.

Für den Moment ist Ernst Stocker aber ganz zufrieden, wenn demnächst wieder einmal Geld vom Bürger zum Kanton fliesst. Mit Blick auf die millionenschweren Hilfspakete, die der Finanzdirektor in den letzten Monaten wegen der Coronapandemie für die Wirtschaft schnüren musste, sagte er zu Beginn der Medienkonferenz: «Ich bin froh, dass es heute wieder für einmal um das Thema geht, wie der Staat zu Geld kommt.»